Eine Vitrine im Eingangsraum zeigt mit Dokumenten und Objekten den Maler Max Liebermann (1847-1935) auf dem Höhepunkt seiner öffentlichen Ehrungen. Anlässlich seines 80. Geburtstags 1927 wurde ihm die Preußische Staatsmedaille verliehen, sein Lebenswerk mit drei Ausstellungen gewürdigt und sogar die UFA besuchte den Künstler für Filmaufnahmen am Wannsee. Doch seinen Weg zum Erfolg musste sich Liebermann hart erkämpfen. Wie strategisch und konsequent er dabei vorging, zeigt die jüngste Ausstellung in der Liebermann-Villa am Wannsee, dem ehemaligen Sommerhaus des Künstlers.
Unter dem Titel „Alles für die Kunst! Max Liebermann zwischen Strategie und Kulturpolitik“ rückt sie erstmals die Rolle Liebermanns jenseits des Ateliers in den Mittelpunkt und würdigt eine bislang wenig beleuchtete Seite des Malers, wie Evelyn Wöldicke, Direktorin der Liebermann-Villa, betont: „Es ist ein Angebot, den Künstler als Netzwerker und zielorientierten kulturpolitischen Strategen zu entdecken, der von Anfang an weit gedacht hat.“
In Weimar studiert, in Paris gelebt
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Museums am Wannsee zeichnet die Ausstellung zugleich den Weg Liebermanns von seinen künstlerischen Anfängen bis an die Spitze der Akademie der Künste nach. „Für uns ist es wichtig, auch den frühen Liebermann zu zeigen, der sich für die Kunst entschied“, betont Sammlungsleiterin und Kuratorin Victoria Bernadette Krieger, „der in Weimar studierte, in Paris lebte, dort Kontakte knüpfte und später nutzte“.
1868 war Liebermann von seiner Heimatstadt Berlin zum Kunststudium nach Weimar gegangen. 1873 wechselte er nach Paris und fand auf Reisen nach Holland zu seinen frühen Bildmotiven. Wichtige Impulse erhielt er von dem ungarischen Maler Mihály Munkácsy (1844-1900) und dem Maler und Grafiker Jozef Israëls (1824-1911).
Von Paris nach München und Berlin
Von Paris wechselte Liebermann nach München, der damaligen Kunsthauptstadt Deutschlands, und kehrte schließlich 1884 nach Berlin zurück. Hier musste er sich erst seinen Platz in der Kunst erobern. Die Mitgliedschaft im Verein Berliner Künstler ebnete ihm zwar den Weg zu Ausstellungen. Doch erst mit der Gründung der Berliner Secession als Gegenbewegung zur konservativen Akademiekunst gelang Liebermann ab 1899 auch künstlerisch der Durchbruch.
Als Präsident bis 1911 setzte er seine Kontakte ins Ausland vehement für die Etablierung des Impressionismus in Deutschland ein. Er sorgte auch dafür, dass von Anbeginn Frauen zugelassen waren. Eine Entdeckung in der Ausstellung ist die Künstlerin Gustava Iselin-Haeger (1878-1962), deren Name heute in Vergessenheit geraten ist. Als eine von 108 Frauen in der Berliner Secession wurde sie von Liebermann sehr geschätzt, der sie sogar als Lehrerin für seine Tochter engagierte.
Künstler nach Berlin geholt
Die Berliner Secession unter dem Vorsitz von Liebermann sollte die Kunstszene an der Spree nachhaltig verändern. Dank seiner weitgespannten Netzwerke weitete sich der Blick mit Beteiligung von internationalen Künstlern wie Ferdinand Hodler, Claude Monet und Auguste Renoir, Camille Pissarro, Giovanni Segantini und Anders Zorn.
Zahlreiche Künstler holte der Secessions-Präsident persönlich nach Berlin, darunter den Bildhauer Auguste Rodin. Zugleich zog die Werkauswahl der Jury auch Kritik auf sich, weil sie bestimmte Kunstrichtungen bevorzuge und nicht genügend „die Interessen der ordentlichen Mitglieder und der deutschen Kunst“ fördere.
Dennoch förderte Liebermann auch immer wieder Künstler wie Oskar Kokoschka, Heinrich Zille und Otto Dix, deren Kunststil er eigentlich ablehnte. „Er war ein Akteur der Szene, auf sein Wort hat man großen Wert gelegt“, betont Ausstellungskuratorin Krieger. 1920 wurde Max Liebermann zum Präsidenten der von ihm einst bekämpften Akademie gewählt und bekleidete somit das höchste Amt im deutschen Kulturbetrieb.
Gegen Ende der Weimarer Republik geriet auch Liebermann selbst zunehmend unter Druck und wurde Zielscheibe politischer und antisemitischer Angriffe, wie eine Auswahl von Karikaturen beweisen. Das führte schließlich dazu, dass er 1933 seine öffentlichen Ämter niederlegte.