Die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Marion Ackermann, sieht die Kultureinrichtungen in Deutschland gut gegen populistische und autoritäre Tendenzen gewappnet. Das föderale System sorge dafür, dass Erfolge von Rechtsextremisten oder Rechtspopulisten in einem Bundesland nicht auf die Kulturpolitik in ganz Deutschland durchschlagen, sagte Ackermann dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin.
„Selbst, wenn es in einem Bundesland eine AfD-geführte Landesregierung geben sollte, gibt es ein Gegengewicht durch die anderen Bundesländer“, sagte sie. In der SPK sorge die Besetzung des Stiftungsrates, in dem Vertreter des Bundes wie der Länder sitzen, für einen Ausgleich.
Kulturhoheit der Länder
„Gerade auch vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Missbrauchs von Kunst und Kultur hat die Bundesrepublik Deutschland die Grenzlinien zwischen Politik und Kultur relativ streng gezogen“, sagte Ackermann: „Die Kulturhoheit der Länder ist ein hohes Gut und ein feines Sensorium des Ausgleichs.“ In den USA werde die Kultur derzeit durch die Zivilgesellschaft geschützt.
Die SPK-Präsidentin forderte Kultureinrichtungen auf, sich über ihr Selbstverständnis klar zu werden. „Für unsere Stiftung haben wir einen klaren Werte-Rahmen formuliert“, sagte sie. Es sei wichtig, Zweck, Ziele und öffentlichen Auftrag eines jeden Hauses schriftlich und nachlesbar festzuhalten: „Das stärkt unsere Resilienz, unsere Widerständigkeit gegenüber autoritären Angriffen.“
Internationale Vernetzung
Auch die internationale Vernetzung helfe, nicht schutzlos politisch motivierten Anwürfen gegenüberzustehen, sagte Ackermann. Leider würden jedoch Fälle häufiger, bei denen Mitarbeitende von Kultureinrichtungen unmittelbar angefeindet und politisch angegangen würden. Es sei eine wichtige Aufgabe, diese zu stärken und vor solchen Zermürbungen zu schützen.
Mit Blick auf die Lage in den USA sagte Ackermann: „Da sind wir noch weit, weit davon entfernt.“ Aber man müsse jetzt mit den Kolleginnen und Kollegen dort solidarisch sein: „In freien Gesellschaften müssen Diskurse geführt und Dinge ausgehandelt werden, und es kann nicht per Dekret bestimmt werden, was gedacht und gezeigt wird.“ Öffentliche Einrichtungen bräuchten Freiräume, um wirken zu können. „Gerade das haben wir im Nachkriegsdeutschland doch von den Vereinigten Staaten gelernt“, betonte sie. Dies sei „das gemeinsame Fundament der freien Welt“.