Einen Blick hinter den Horizont verspricht eine neue Kunstinstallation: Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson hat für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) einen kreisrunden, leuchtenden Regenbogen aus Glas geschaffen. Die Installation verweise auf ein optisches Phänomen, sagte der stellvertretende Direktor des Mathamatisch-Physikalsichen Salons der SKD, Michael Korey, am Donnerstag in Dresden. Dieses werde in der Natur nur unvollständig wahrgenommen.
Zwar seien Regenbögen physikalisch immer volle Kreise, ihre Form bleibe dem menschlichen Blick jedoch wegen des Horizonts verborgen. Das neue Kunstwerk mit dem Titel „Euphorisches Licht“ ist im Mathematisch-Physikalischen Salon im Dresdner Zwinger von Freitag an dauerhaft zu sehen. Es sei explizit für diese Sammlung und in Auseinandersetzung mit den Objekten vor Ort geschaffen worden, sagte Korey.
Zu erleben ist der etwa zwei Meter große leuchtende Regenbogen im Globensaal, dem laut SKD „dunkelsten Raum des Museums“. Dabei trifft eine Vollspektrum-LED auf einen konischen Spiegel, der das Licht auf einen prismatischen Glasring lenkt. Es entsteht ein Lichtkreis, der von Violett und Tiefblau bis hin zu kräftigem Rot strahlt.
Optische Mittel für die Kunst
Der 1967 in Kopenhagen geborene Eliasson beschäftigt sich als Künstler vornehmlich mit physikalischen Phänomenen in der Natur wie Licht, Wasser, Bewegung und Reflexion. In vielen seiner Werke geht er der Frage nach, wie Licht wahrnehmbar gemacht werden kann. Dafür greift er auf optische Hilfsmittel wie Linsen, Spiegel und Prismen zurück. Bekannt wurde Eliasson etwa für „The weather project“ (2003) - eine künstliche Sonne mitten in der Turbinenhalle der Tate Modern London.
Im Dresdner Museum stehe Eliassons Werk in direkter Beziehung zu den historischen Himmelsgloben, die den gesamten Sternenhimmel als Kugel abbilden und nicht nur einen Ausschnitt, sagte Korey. Wie das Kunstwerk zeigten sie, „was unter dem Horizont liegt“. Eliasson sei „ein Künstler, der über das Sehen nachdenkt“ und dabei hilft, zu sehen.
Das neue Werk passe zur „weltweit ältesten Sammlung historisch-wissenschaftlicher Instrumente“ auch deshalb, weil es allein analoge optische Mittel benutze, um das Phänomen des Regenbogens „dem Auge näherzubringen und in brillanter Klarheit im Museum einzufangen“.
Hinter dem Horizont
Eliasson sagte bei der Präsentation seines Regenbogens in Dresden: „Wir sehen und wissen so viel, aber es gibt auch hinter dem Horizont Dinge, die wir nicht kennen.“ Es könnte für sein neues Werk „keinen besseren Ort geben als inmitten der unzähligen Welten, die im Globensaal zu entdecken sind“. Insgesamt vereine der Mathematisch-Physikalische Salon das Handwerkliche, die wissenschaftliche Funktionalität und künstlerische Schönheit. Eliasson lebt in Berlin und Kopenhagen.
Der Ankauf wurde von den Freunden der Staatlichen Kunstsammlungen ermöglicht. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. Der Verein unterstützt den Erwerb zeitgenössischer Kunst für die insgesamt 15 Museen der SKD. Unter anderem wurden Werke von Wolfgang Tillmans für das Albertinum und Olaf Nicolai für das Grüne Gewölbe angekauft.