Die Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist offenbar ins Visier von Kriminellen geraten. Gut sechs Jahre nach dem spektakulären Einbruch im Grünen Gewölbe habe es Hinweise aus dem Ausland zu einem geplanten Einbruch im Dresdner Zwinger gegeben, berichtete die „Bild“-Zeitung am Freitag. Im barocken Zwinger sind mehrere Einzelsammlungen der Kunstsammlungen untergebracht. Außer Gemälden Alter Meister sind in einem weiteren Flügel historische Porzellane aus China, Japan und Meißen zu sehen.
Konkret sei der Diebstahl einer chinesischen Drachenvase und einer mehr als 1.000 Jahre alte Ru-Schale aus China geplant gewesen, heißt es in dem Zeitungsbericht. Die Versteigerung einer vergleichbaren Schale hatte laut „Bild“ 2017 bei Sotheby’s 37,7 Millionen Dollar erbracht. Das Museumsgebäude im Zwinger stehe nun rund um die Uhr unter Polizeischutz, hieß es.
Zusammenhang mit Cyberangriff unklar
Ob die Hinweise im Zusammenhang mit dem Cyberangriff vom 21. Januar stehen, sei noch unklar. Der Angriff hatte das Museumsnetzwerk lahmgelegt, die Sicherheit der Kunstschätze war laut den Kunstsammlungen jedoch nicht gefährdet.
Das sächsische Landeskriminalamt teilte am Freitag lediglich mit, dass nach dem Cyberangriff auf die digitale Infrastruktur am 21. Januar eine Sonderkommission gegründet wurde, die Ermittlungen unter Leitung der Generalstaatsanwaltschaft Dresden führe. Weitergehende Auskünfte würden wegen der laufenden Ermittlungen nicht erteilt.
Objekte aus Sammlungspräsentation entfernt
Laut dem Bericht der „Bild“ gibt es bereits Tatverdächtige. Die ins Visier geratenen Stücke seien aus der Sammlung entfernt und in Sicherheit gebracht worden, hieß es.
Die Kunstsammlungen erklärten, die „uneingeschränkte Aufmerksamkeit“ gelte der Sicherheit der Sammlungen. Diese werde in enger Zusammenarbeit mit den Sicherheitsunternehmen gewährleistet. Zu Details des Sicherheitskonzepts könnten aus Sicherheitsgründen keine Angaben gemacht werden.
Zugleich betonte der Museumsverbund: „Die Sicherheit unserer Besucherinnen und Besucher in den Einrichtungen der SKD sowie der uns anvertrauten Kunstschätze ist umfassend gewahrt.“ Laut Medienberichten ist im Zwingerhof das Sicherheitspersonal verstärkt worden. Auch in der Porzellansammlung selbst waren demnach ungewöhnlich viele Wachdienst-Leute zu sehen.
Spektakulärer Einbruch 2019
Bei dem Einbruch in das Grüne Gewölbe am 25. November 2019 waren 21 historische Schmuckstücke im Versicherungswert von knapp 114 Millionen Euro gestohlen worden.
2022 waren sechs Mitglieder des Remmo-Clans aus Berlin vor dem Landgericht Dresden angeklagt. Fünf von ihnen erhielten im Mai 2023 mehrjährige Haft- und Jugendstrafen. Zuvor war ein Großteil des Schmucks im Rahmen eines juristischen Deals zurückgegeben worden. Die Stücke sind derzeit unrestauriert in der Ausstellung zu sehen.
Die Porzellansammlung umfasst rund 20.000 Objekte. Die Ru-Schale war erst 2021 in den eigenen Beständen entdeckt worden. Sie stammt aus der Nördlichen Song-Dynastie (960-1127) in China. Ru-Keramiken sind äußerst wertvoll, weil sie in der kurzen Blütezeit dieser Dynastie für den kaiserlichen Hof gefertigt wurden und es weltweit nur noch weniger als hundert Stücke gibt.