Museum will der kriegsgeplagten Ukraine eine Stimme geben
Neuer Ausstellungsort vier Jahre nach Kriegsbeginn in Berlin eröffnet
Berlin (epd).

Die beiden Zivilisten Oleg Konekt Salnyk und Oleg Degusarov fuhren am 12. April 2025 mit ihrem Fiat-Kastenwagen durch Cherson, um etwas abzuholen. Das Auto mit den beiden freiwilligen Helfern war als Sozialtaxi im Einsatz, um alte und bedürftige Menschen in der ukrainischen Stadt unweit der Front zu versorgen. Dann krachte eine russische FPV-Drohne in das Wagendach und riss es auf. Während der Fahrer Oleg Degusarov den Angriff schwer verletzt überlebte, starb der 28-jährige Oleg Konekt Salnyk als Beifahrer noch vor Ort.

Seit Montag kann der zerstörte Kastenwagen im neuen Ukraine-Museum in Berlin besichtigt werden. Ein russisches Video zeigt den Angriff der Drohne, ein Handy-Video zeigt die Folgen unmittelbar nach dem Einschlag. Zu sehen sei ein „exzellent dokumentiertes, russisches Kriegsverbrechen“, sagte Unternehmer und Museumsbetreiber Enno Lenze bei der Ausstellungseröffnung.

Ausstellung zeigt Kriegsalltag

Vier Jahre nach dem russischen Überfall haben Lenze und der Kurator, Verleger und Journalist Wieland Giebel in einem ehemaligen Bunker unweit des Anhalter Bahnhofs auf 300 Quadratmetern die neue Ausstellung zum Kriegsalltag in der Ukraine zusammengestellt. Etwa 500 Exponate erzählen persönliche Geschichten von Ukrainerinnen und Ukrainern seit dem 24. Februar 2022 in und auch außerhalb des Landes.

Lenze und Giebel betreiben seit Jahren in den Räumen den privaten „Berlin Story Bunker“, unter anderem mit der Ausstellung „Hitler - wie konnte es geschehen“. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine engagieren sie sich mit Spendenkampagnen und Vor-Ort-Hilfe für das Land und versuchen immer wieder, die deutsche Öffentlichkeit aufzurütteln. So stellten sie zum ersten Jahrestag des Angriffs im Februar 2023 gegen starke behördliche Widerstände einen zerstörten Panzer vor der russischen Botschaft in Berlin auf.

Rakete aus 3-D-Drucker

Auch das Ukraine-Museum zeigt neben großformatigen Fotos aus dem Kriegsalltag, Interviews und Zeitzeugen-Berichten viel russisches Kriegsgerät, darunter unzählige abgeschossene russische Drohnen und Raketenteile. Die größte Rakete ist sieben Meter lang und stammt aus dem 3-D-Drucker. „Das Original durften wir nach der Panzer-Aktion nicht mehr importieren“, erzählt Lenze. Um aber anschaulich zu machen, welche großen Marschflugkörper täglich in ukrainische Städte einschlagen, hätten sie die Rakete nachgebaut.

Ein Kapitel in der Ausstellung widmet sich eigens westlicher Technik, die trotz Sanktionen in russischen Drohnen und Raketen weiterhin verbaut wird. So zeigen in abgeschossenen Drohnen gefundene Bauteile unter anderem Platinen von Texas Instruments.

Ukraine eine Stimme geben

Die Ausstellung setzt stark auf Emotionen. So heißt es schon im zweiten Raum zu den deutschen Debatten zum Umgang mit der Ukraine und dem Krieg plakativ: „Helfen oder Arschloch sein? Du hast die Wahl, jeden Tag.“

Nach Angaben der beiden Museumsbetreiber soll in der Ausstellung die „physische Realität“ dieses Krieges unmittelbar gezeigt werden. „Wir zeigen keine akademische Aufarbeitung, sondern die brutale Zerstörungsenergie Russlands“, sagte Lenze. Und Wieland Giebel betonte: „Wir wollen der Ukraine eine Stimme geben.“

Von Markus Geiler (epd)