LutherMuseen suchen nach NS-Raubkunst
Wittenberg (epd).

Nach Einschätzung von Experten hat es keine systematische Beteiligung der heutigen LutherMuseen am Kunstraub in der Zeit des Nationalsozialismus gegeben. Bei Untersuchungen durch den Historiker Patrick Bormann seien mehrere Verdachtsfälle entkräftet worden, teilte ein Museumssprecher am Montag in Wittenberg mit. Hingegen habe sich in Einzelfällen der Verdacht bestätigt, dass NS-Raubkunst erworben wurde. Details werde der Provenienzforscher am 3. März in einem Vortrag in Wittenberg erörtern.

Nach Worten der Stiftung Luthergedenkstätten zählt der Kunstraub im Nationalsozialismus zu den dunkelsten Kapiteln der Kunst- und Kulturgeschichte. Deshalb habe die Stiftung 2023 beschlossen, beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste einen Projektantrag zu stellen, „um die Herkunft der Erwerbungen der damaligen Lutherhalle aus der Zeit des Nationalsozialismus untersuchen zu lassen“, wie Stiftungsvorstand Thomas Müller sagte. Seit Januar 2025 würde Historiker Bormann vorrangig die Erwerbungen der Jahre 1933 bis 1945 auf Herkunft, Schicksale der Vorbesitzer und Verwicklungen mit zwielichtigen Kunsthändlern untersuchen.

Händler mit NS-Raubkunst

Nach Auskunft der Leiterin der LutherMuseen in Wittenberg, Anne-Katrin Ziesak, hätten erste Recherchen gezeigt, dass der damalige Direktor, Oskar Thulin, „wiederholt bei Händlern kaufte, die in den NS-Kunstraub involviert waren“. Dazu gehörten laut Provenienzforscher Bormann unter anderem der Berliner Autographenhändler J. A. Stargardt, das Würzburger Antiquariat Helmut Tenner und die späteren Besitzer des „arisierten“ Antiquariats Gustav Fock in Leipzig.