In Sachsen-Anhalt haben bereits 43 Museen ihre Bestände auf mögliches Raubgut aus der Zeit des Nationalsozialismus überprüft. Dabei seien nur wenige illegale Erwerbungen festgestellt worden, sagte die Leiterin der Koordinierungsstelle Provenienzforschung beim Museumsverband Sachsen-Anhalt, Annette Müller-Spreitz, in Magdeburg dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Am Mittwoch beteiligen sich auch Museen in Sachsen-Anhalt am bundesweiten Tag der Provenienzforschung. Dazu sind in Dessau-Roßlau, Halberstadt, Magdeburg und Wittenberg Veranstaltungen geplant. Unter anderem gibt es Sonderführungen und Vorträge zur Arbeit der Kunstexpertinnen und -experten.
Puzzle mit Lücken
Müller-Spreitz betonte, es sei wichtig, allen Verdachtsmomenten nachzugehen: „Wenn wir die Objektbiographie zusammenstellen, die Herkunft und mögliche Vorbesitzer ermitteln, dann ist das wie Detektivarbeit.“ Dazu gehöre vor allem intensive Archivarbeit. Oft gleiche die Suche einer Puzzlearbeit mit vielen Lücken. Deshalb gehörten intensives Studium der Dokumentationen und Museumsakten, der Inventarbücher und Kaufbelege dazu.
19 der 43 Überprüfungen von Museumsbeständen in Sachsen-Anhalt erfolgten mit Förderung des in Magdeburg ansässigen Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, wie Zentrumssprecherin Lena Grundhuber sagte. Seit 2015 ist die gemeinsame Stiftung von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im Einsatz.
Bundesweit seien bislang insgesamt 9.899 museale Objekte sowie 38.413 Bibliotheksgüter und Archivalien erfasst worden, die seit Kriegsende an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben wurden. Mit etwa 80 Prozent liege der Schwerpunkt auf der NS-Zeit. Hinzu komme Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sowie entzogenes Kulturgut in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR.
NS-Raubgut auch in LutherMuseen
Aktuell gibt es nach Angaben des Museumsverbands in Sachsen-Anhalts sechs Forschungsprojekte zur Herkunft von Ausstellungsobjekten und Depotgut. Eines davon widmet sich den Beständen der heutigen LutherMuseen. Laut Anne-Katrin Ziesak, Leiterin der Museen, haben sich bislang drei Objekte als Raubgut erwiesen. Mindestens „sechs weitere Drucke stehen unter Raubkunstverdacht, werden aber noch weiter untersucht“. Können keine Erben ermittelt werden, erfolge ein Eintrag in die Lost-Art-Datenbank. Ansonsten soll „jedes als NS-Raubkunst identifizierte Objekt restituiert werden“, also dem Besitzer oder dessen Erben übergeben werden, sagte Ziesak.
Nach Einschätzung von Experten habe es keine systematische Beteiligung der heutigen LutherMuseen am Kunstraub der NS-Zeit gegeben, sagte Ziesak weiter. So konnte bereits für 183 der 219 Erwerbungen aus den Jahren 1933 bis 1945 Entwarnung gegeben werden. Aktuell würden zudem etwa 1.800 Bücher überprüft, die in dieser Zeit erworben wurden. Nach einer ersten Sichtung würden davon bis zu 120 Bücher Verdachtsmomente aufweisen.
Die Stiftung Luthergedenkstätten betreibt in Sachsen-Anhalt fünf Museen: das Geburtshaus und das Sterbehaus von Martin Luther (1483-1546) in Eisleben, Luthers Elternhaus in Mansfeld sowie das Lutherhaus und das Melanchthonhaus in Wittenberg.