Sinnlichkeit, Licht und strahlende Farbigkeit sind Markenzeichen der rund 500 Jahre alten Werke von Antonio Allegri (um 1489-1534). Bekannt wurde der Italiener nach seinem Tod unter dem Namen seines Geburtsortes Correggio. Das Weihnachtsbild „Die Heilige Nacht“ (um 1528/30) gilt als sein bekanntestes Werk überhaupt. Es wird in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bewahrt und zeigt den neugeborenen Jesus in einem besonderen Licht.
Von Samstag an ist die monumentale Altartafel Teil der ersten Retrospektive zu Correggio außerhalb Italiens. In der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister sind rund 20 Gemälde und 20 Zeichnungen des Italieners sind zu sehen sowie dutzende Werke von Zeitgenossen und Künstlern, die sich von ihm inspirieren ließen. Unter dem Titel „Correggio. Berührend menschlich“ steht die Darstellung von Emotionen im Mittelpunkt.
Leihgaben aus europäischen Museen
SKD-Generaldirektor Bernd Ebert betont, es sei eine „Ausstellung der Superlative“. Bis Anfang 2027 sind neben den vier Altarbildern aus eigenem Bestand Werke von 20 Leihgebern zu sehen. Darunter sind bedeutende europäische Museen wie der Prado in Madrid, die Londoner National Gallery, die Galleria Borghese in Rom, die Uffizien in Florenz und das Kunsthistorische Museum in Wien.
Laut dem Kurator der Dresdner Ausstellung, Andreas Plackinger, sind heute weltweit nur rund 60 Gemälde von Correggio erhalten. Aus dem Pariser Louvre seien gleich zwei Hauptwerke gekommen, was Plackinger zufolge „ein seltener Glücksfall“ ist. Eins der Werke, die „Mystische Vermählung der heiligen Katharina mit heiligem Sebastian“ (um 1525/1527), habe den Louve zuvor noch nie verlassen.
Correggio habe fast ausschließlich auf Holz gemalt. Da das Material sehr empfindlich sei, würden seine Werke generell nur sehr selten ausgeliehen. Auch deshalb sei die Dresdner Ausstellung etwas ganz Besonderes.
Erstaunliche Präsenz
Plackinger attestiert den Arbeiten des Italieners einen lebendigen Ausdruck und eine erstaunliche Präsenz bis heute. Neben Leonardo da Vinci (1452-1519), Raffael (1483-1520) und Michelangelo (1475-1564) zählt Correggio zu den bedeutendsten Künstlern der italienischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Dennoch ist er heute weniger bekannt.
Ein Grund dafür könnte sein begrenzter Wirkungskreis sein, sagt Plackinger. Correggio arbeitete vor allem in Parma, war aber nie in den Kunstzentren Venedig, Florenz oder Rom tätig. Zudem entziehe er sich künstlerischen Stilkategorien. Der Italiener lebte in der Hochrenaissance, malte jedoch laut Plackinger bereits wie später im Barock.
Mutter Gottes immer wieder neu
Dies habe wohl auch dazu beigetragen, dass er lange Zeit aus dem Blick geriet. Außerdem sei wenig Biografisches über hin bekannt. Als Künstler, der vor allem Werke für Kirchen und Kapellen schuf, kreisen seine Arbeiten um biblische Inhalte, oft malte er Maria mit dem Jesuskind.
„Man könnte sagen, er malte immer das gleiche, aber es ist nie dasselbe“, sagt Plackinger. Der Künstler habe keine Werkstatt betrieben, in denen Kopien seiner Motive angefertigt wurden. Jedes seiner Gemälde sei neu gedacht und ein Unikat. Den Fokus der Ausstellung beschreibt Plackinger folgendermaßen: „Correggio versucht Emotionen ins Bild zu setzen und sie bei uns auszulösen.“
Hauptwerke im 18. Jahrhundert angekauft
Sachsens Kurfürst August III. (1696-1763) hatte Mitte des 18. Jahrhunderts 100 Gemälde aus der Sammlung des Herzogs von Modena gekauft. Der Erwerb legte den Grundstein für die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. Er umfasste auch die vier Hauptwerke Correggios, darunter die berühmte „Heilige Nacht“ sowie das Altarbild „Madonna des heiligen Sebastian“ (um 1524), das in den vergangenen Jahren umfangreich restauriert wurde und nun zu sehen ist.
Laut der Restauratorin Steffi Bodechtel wurden von dem Bild bis zu 15 Schichten Firnisse und Übermalungen abgetragen. Zudem wurden Beschädigungen beseitigt. „Wichtig für uns war, dass der Betrachter wieder ein geschlossenes Bild erlebt, dass es keine Fehlstellen gibt“, sagt die Restauratorin.
Für die nächsten gut drei Monate vereint die Dresdner Ausstellung das Schaffen Correggios an einem Ort. Kurator Plackinger ist überzeugt: „So viel Correggio werden wir alle nicht mehr sehen.“