Nach mehr als 80 Jahren ist ein Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren (1472- 1553) in den Bestand der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zurückgekehrt. Das kleinformatige Porträt zeigt Kurfürst Friedrich den Weisen (1463-1525). Es hing einst in der Kapelle im Dresdner Residenzschlosses. Zuletzt befand es sich in französischem Privatbesitz.
SKD-Generaldirektor Bernd Ebert sagte am Donnerstag bei der Präsentation in Dresden, das Bild sei im Austausch mit der Familie, die es vor Jahrzehnten im Kunsthandel gekauft hatte, „für einen kleinen Betrag“ zurückerworben worden. Es galt lange Zeit als Kriegsverlust und war laut Ebert in den 1970er Jahren im Kunsthandel aufgetaucht.
Postkartengroßes Werk auf Eichenholz
Das auf Eichenholz gemalte Werk soll künftig dauerhaft in der Gemäldegalerie Alte Meister gezeigt werden. Aktuell ist das postkartengroße Gemälde aus der Cranach-Werkstatt noch bis zum 26. Juli im Residenzschloss in einer Sonderausstellung über Friedrich den Weisen anlässlich dessen 500. Todestages im vergangenen Jahr zu sehen.
Das Pariser Auktionshaus Artcurial hatte das Werk zur Begutachtung bekommen und auf seine Provenienz überprüft. Anhand einer Inventarnummer stellte sich heraus, dass es einst den SKD gehörte.
Einigung nach längerer Verhandlung
Nach längeren Verhandlungen sei eine finanzielle Einigung zur Rückkehr des Werkes erzielt worden, hieß es. Die Familie Dreyfus übergab das Gemälde demnach in Gedenken an Liliane Skop-Dreyfus (1929-2024), die es gutgläubig erworben hatte. Mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen konnte es nach Dresden zurückgeholt werden. Die SKD haben nach eigenen Angaben lediglich einen „Finderlohn“ gezahlt. Wie hoch der Wert des Bildes ist, dazu wurden keine Angaben gemacht.
Das Porträt des Kurfürsten war laut SKD 1940 zunächst auf die Albrechtsburg in Meißen transportiert worden. Im Mai 1945 wurde es im Kalksteinbruch von Pockau-Lengefeld dokumentiert, wo zahlreiche Werke aus Dresdner Museen ausgelagert waren. Danach verlor sich seine Spur. Wegen seiner geringen Größe sei es in einem sehr guten Zustand, hieß es.
Bild aus einer Serie
Unter den mehr als 500 Kriegsverlusten der Dresdner Gemäldegalerie befinden sich 18 Werke aus der Cranach-Werkstatt, von denen bis heute sieben zurückgekehrt sind. Laut dem Direktor der Gemäldegalerie, Holger Jacob-Friesen, ist das „einzigartige“ Bild Teil einer Serie von Porträts von Friedrich dem Weisen. Der Kurfürst sei von großer Bedeutung für die sächsische und deutsche Geschichte. Er sei auch Auftraggeber wichtiger Werke gewesen, die sich heute in der Gemäldegalerie Alte Meister befinden.
Hofmaler am kursächsischen Hof
Die SKD beherbergen nach eigenen Angaben mit 67 Werken den weltweit größten Bestand an Werken von Lucas Cranach dem Älteren, seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586) und ihrer Werkstatt. Vater Cranach war Hofmaler von Friedrich III. (genannt der Weise) und Freund Martin Luthers (1483-1546). Er führte laut SKD alle kurfürstlichen Aufträge sowie Bildnisse großer Reformatoren aus. In seiner Werkstatt wurden Friedrich-Porträts in Serie gefertigt. Bis heute seien davon rund 25 Exemplare erhalten.