Die Stiftung Bauhaus Dessau eröffnet am Samstag ihr Jubiläumsjahr mit zwei großen Ausstellungen. 100 Jahre nach dem Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau sollen „die materiellen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des Bauhauses“ in den Blick genommen werden, sagte die Direktorin des Bauhauses, Barbara Steiner, am Donnerstag in Dessau-Roßlau. Diese würden mit aktuellen Fragen zu Ressourcen, Stoffkreisläufen und ökologischem Wandel verknüpft.
Vor 100 Jahren war Dessau eine aufstrebende Industriestadt, geprägt von Innovation und unternehmerischem Pioniergeist. Hier habe die Hochschule für Gestaltung „ihre erfolgreichste und produktivste Zeit“ erlebt, hieß es. Die Künstler des Bauhauses trafen auf eine progressive Stadtpolitik. So entwickelte sich Dessau zu einem Zentrum für Kunst und Design, wo zugleich innovative Wohnprojekte wie die Siedlung Törten vorangetrieben wurden, um bezahlbaren, modernen Wohnraum zu schaffen.
Modernes Bauen mit nachhaltigen Komponenten
Die Hauptausstellung „Glas-Beton-Metall“ im historischen Werkstattflügel des Bauhausgebäudes gehe „wirklich an die Substanz“, sagte Sprecher Domenik Pasemann. Man nehme die engen Verflechtungen der Bauhausarbeit mit der Industriegeschichte des frühen 20. Jahrhunderts in den Blick. So zeige diese Ausstellung „die bisher wenig beachteten materiellen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des ikonischen Bauhausgebäudes und seiner Werkstattproduktion“.
Hingegen schaue die Ausstellung „Algen-Schutt-CO₂“ im ehemaligen Kaufhaus Zeeck in der Dessauer Innenstadt auf gegenwärtige Herausforderungen. Ausgehend von der Gegenwart würden künftige Handlungsszenarien entworfen. Dabei stünden „Stoffkreisläufe, gewachsene Ressourcen, Wiederverwertung und neue Materialexperimente im Mittelpunkt“, hieß es. Die Ausstellung reflektiere somit „auch die gemeinsame Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und sondiert, was Gestaltung dazu beitragen kann, gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken“.
Die Betrachtung materieller und wirtschaftlicher Grundlagen der Architektur sei „hochrelevant“, da sie „direkt an aktuelle Diskurse zu Energieknappheit, Klimakrise und schwindenden Ressourcen anknüpft“, sagte Pasemann.
Außenstandorte zu innovativen Materialien
Ergänzende Ausstellungen gibt es im Stadtgebiet von Dessau. So gehe es rund um das historische Arbeitsamt um die Werkstoffe Ziegel und Backstein.
Die Junkers-Lamellenhalle am Leopoldshafen präsentiert die Vorteile des vom Ingenieur und Flugzeugbauer Hugo Junkers praktizierten Leichtbaus nicht nur für den Fahrzeugbau, sondern auch für Gebäude.
Metall als Baustoff im Wohnungsbau scheint heute ungewöhnlich, doch im Stahlhaus von Richard Paulick und Georg Muche in der Siedlung Dessau-Törten wird die Geschichte dazu erzählt.
Bis heute reiches Bauhauserbe
Das Bauhaus revolutionierte als Kunstschule bis 1933 die Kunst- und Architekturwelt. Gegründet wurde die Schule 1919 in Weimar von Walter Gropius (1883-1969), wechselte jedoch aus politischen Gründen fünf Jahre später nach Dessau. Dort befinden sich neben dem eigentlichen Bauhausgebäude und den sogenannten Meisterhäusern weitere authentische Bauhausbauten. 1933 verfügten die Nationalsozialisten die Schließung des Bauhauses.