Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat ein wichtiges theologisches Leitungsamt neu besetzt: Der promovierte Theologe Johannes Krug wird neuer Propst der Landeskirche. Die Synode wählte den 56-jährigen Superintendenten des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf mit Gemeinden in Berlin und Brandenburg am Samstag als Nachfolger der bisherigen Pröpstin Christina-Maria Bammel.
Der Propst übernimmt die theologische Leitung des Konsistoriums, der Kirchenverwaltung. Die Amtszeit beträgt zehn Jahre. Die bisherige Pröpstin Christina-Maria Bammel, die ab Ende 2019 im Amt war, wird ab Mai Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig.
Zugewandt und erfahren
Bischof Christian Stäblein betonte nach der Wahl in Berlin, Krug sei eine „verbindende, theologisch klar denkende, zugewandte und erfahrene Führungspersönlichkeit“, die mit konkreten Ideen den Aufbau eines Netzwerks evangelischer Träger stärke. Konsistorialpräsidentin Viola Vogel sagte, seine „herausragende theologische Qualifikation, gepaart mit einer hohen Resonanz- und Sprachfähigkeit“, sei verheißungsvoll. Der Vorsitzende der Landessynode, Präses Harald Geywitz, betonte, Krug schöpfe aus langjähriger Erfahrung in Gemeinde und Kirchenleitung. Sein Blick für strategische Entwicklung in unterschiedlichen kirchlichen Räumen sei bereichernd.
Gegen Antisemitismus
Die Schulen der Landeskirche sind einem Beschluss des Kirchenparlaments zufolge künftig explizit zum Engagement gegen Antisemitismus verpflichtet. Die Präambel des Schulgesetzes wurde unter anderem um folgenden Satz ergänzt: „Jeglicher Verherrlichung oder Verharmlosung des Nationalsozialismus, von Krieg und Gewalt sowie Antisemitismus tritt die Schulgemeinschaft entschieden entgegen.“
Auch Konzepte der evangelischen Schulen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt werden nun vorgeschrieben. Die Neuregelungen für die derzeit 36 Schulen der Schulstiftung der Landeskirche in Berlin und Brandenburg mit insgesamt mehr als 10.000 Kindern und Jugendlichen treten am 1. August zum kommenden Schuljahr in Kraft.
Friedensdienst
Die Landessynode beauftragte die Kirchenleitung zudem, sich für die Entwicklung eines Konzeptes für einen Friedensdienst auf christlicher Grundlage einzusetzen. Ziel sei, dass dieser bei einer Aktivierung der Wehrpflicht als waffenloser Wehrersatzdienst anerkannt werden kann. Im Fall eines militärischen Konflikts solle so unter anderem beim Schutz der Zivilbevölkerung und Aufrechterhaltung der Infrastruktur mitgearbeitet werden können und die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gegen äußere Aggression und hybride Angriffe gefestigt werden.
Emotionale Debatte
Zum Abschluss der zweitägigen Frühjahrsberatungen wurde am Samstag auch emotional über Zukunfts- und Strukturfragen der Landeskirche debattiert. Zum Teil wurde bemängelt, dass bislang keine Konzepte für eine mögliche Verringerung von Leitungsämtern und Kirchenbereichen vorliegen. Der Synodale Fabian Eidtner, Präsident des Verwaltungsgerichts Cottbus, sprach dabei von einem „Leitungsversagen“. Bischof Stäblein betonte, zunächst sollten inhaltliche Zielbilder erstellt werden, aus denen sich dann veränderte Leitungsstrukturen entwickeln lassen.