Das katholische Bistum Magdeburg hat die Initiative „Bewusst wählen!“ für christliche Werte in gesellschaftlichen Debatten ins Leben gerufen. Mit Blick auf die Landtagswahl am 6. September appellieren das Bistum und weitere Partner an die Menschen in Sachsen-Anhalt, ihrem Gewissen nach zu entscheiden. „Wir glauben, dass die Situation jetzt eine besonders dramatische ist“, sagte Bischof Gerhard Feige am Mittwoch in Magdeburg. Deshalb solle den Menschen Mut gemacht und sie dafür sensibilisiert werden, aus christlicher Verantwortung heraus zu handeln. Die Kirche nehme Anteil an der Not der Menschen, ergänzte Feige.
„Was Menschenwürde, Menschenrechte und Gerechtigkeit betrifft, da kann und darf Kirche nicht schweigen“, unterstrich der Bischof die Leitlinien der Initiative. Die Initiative wolle Orientierung geben - nicht parteipolitisch, sondern wertebasiert. Zudem solle das Bewusstsein geschärft werden, „nicht aus dem Bauch heraus irgendeiner Stimmung zu folgen und zu wählen, sondern sich gut zu informieren und bewusst zu entscheiden“, ergänzte Feige. Die Menschen sollten dabei bedenken: Was hat das für Auswirkungen auf mich und auch auf die Gesellschaft?
Christen sollen sich einmischen
Daniela Bethge von der katholischen Pfarrei St. Johannes der Täufer in Burg ging auf die Situation vor Ort ein: „Wir spüren in den Gemeinden die wachsende Verunsicherung. Die Herausforderungen sind groß.“ Zunehmende Angriffe auf die Kirche würden erlebt, auch durch politische Programme, die ihre Rolle infrage stellen. Umso mehr brauche es heute Menschen, die sich einmischen, aber auch Vermittler, die ansprechbar bleiben. Es gehe um respektvolles Miteinander, um Dialog und Verständigung.
Für ihn sei es normal, dass den Kirchen in gesellschaftlichen Debatten „manchmal auch ein scharfer Wind um die Ohren weht“, sagte Bischof Feige. Wenn jedoch eine den Menschen vorschreiben wolle, „wie man sich zu verhalten hat, welche Lieder man singt oder welche Heimatgefühle man entwickeln soll“, da könnten Kirchen nicht schweigen. Extremismus, Angst und Gleichgültigkeit dürfe nicht das letzte Wort überlassen werden. Deshalb werde die Initiative durch sichtbare Zeichen, Dialogformate und Bildungsangebote Raum für Begegnungen und zum Nachdenken schaffen.
Breites katholisches Bündnis
Der Vorstand der Edith-Stein-Schulstiftung im Bistum Magdeburg, Sven Gora, ergänzte: „Schulen sind Orte, an denen junge Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen - für sich und für andere. Wir stehen für eine Bildung, die Meinung bildet.“ Mit acht Schulen und rund 3.300 Schülern ist die Stiftung nach eigenen Angaben der größte freie Schulträger in Sachsen-Anhalt.
Die Initiative „Bewusst wählen!“ werde neben dem Bistum Magdeburg von der Caritas, der Edith-Stein-Schulstiftung, der Katholischen Akademie, der Katholischen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt sowie weiteren katholischen Einrichtungen getragen, hieß es. Man verstehe sich als Teil des zivilgesellschaftlichen Bündnisses „Sachsen-Anhalt weltoffen“ und in enger Partnerschaft mit den evangelischen Kirchen im Land.