Platz vor Abgeordnetenhaus nach Margot Friedländer benannt
Berlin (epd).

Mit einem Festakt ist am Donnerstag der bislang namenlose Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses nach der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer (1921-2025) benannt worden. Im Plenarsaal würdigten unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Abgeordnetenhauspräsidentin Cornelia Seibeld (beide CDU) Leben und Wirken der Zeitzeugin. Anschließend enthüllten sie gemeinsam mit der Bürgermeisterin des Bezirks Mitte, Stefanie Remlinger (Grüne) und dem Vorstandsvorsitzenden der Margot Friedländer Stiftung, Karsten Dreinhöfer, das Schild mit Friedländers Namen.

„Sie faszinierte mich durch ihre Freude am Leben“, sagte Wegner in der Feierstunde. Die am 9. Mai vor einem Jahr im Alter von 103 Jahren verstorbene Friedländer sei eine „starke, mutige und beeindruckende Frau“ gewesen. Er erinnerte daran, wie viel Leid Friedländer in ihrem Leben erlebt habe. „Sie war trotzdem nicht voller Groll und Hass“, so Wegner: „Sie glaubte an das Gute im Menschen.“ Es gelte nun, ihr aufklärerisches Wirken „mit ganzer Kraft fortzusetzen, gegen Feinde von innen und außen“.

Den Vorplatz des Abgeordnetenhauses bezeichnete Wegner als ideal, weil er eine „Herzkammer der Demokratie“ sei. Hier werde für die Werte gekämpft, die Friedländer wichtig waren: „Ihre Botschaft 'seid Menschen' bleibt.“

Ausnahmeregelung für Friedländer

Laut der Abgeordnetenhauspräsidentin stellt die Benennung des Platzes „eine dauerhafte Mahnung“ dar. „Ihr Vermächtnis ist damit jeden Tag sichtbar“, sagte Seibeld. Sie erinnerte zudem an den letzten öffentlichen Auftritt Friedländers in Berlin, zwei Tage vor ihrem Tod: „Niemand konnte sich ihrer zarten Stärke entziehen oder dem Gewicht ihrer Worte ausweichen.“

Die Benennung des Margot-Friedländer-Platzes hatten Senat, Abgeordnetenhaus und Bezirk Mitte im November 2025 beschlossen. Eigentlich könne eine Straße oder ein Platz erst fünf Jahre nach dem Tod einer Persönlichkeit deren Namen tragen, erklärte Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne): „Für eine Ausnahmefrau braucht es ein Ausnahmeverfahren.“

Mit 88 Jahren zurückgekehrt

Stiftungsvorstand Karsten Dreinhöfer erinnerte an die Geschichte der Jüdin, die in der NS-Zeit in das KZ Theresienstadt verschleppt worden war und später in die USA emigrierte. 2003 sei sie auf Einladung des Senats zum ersten Mal wieder in Berlin gewesen. Damals habe sie gesagt, dass sie mittlerweile gerne wieder in der deutschen Hauptstadt wohnen würde, wenn sie jünger wäre.

Im Jahr 2008, im Alter von 88 Jahren, kam sie zurück und lebte dort bis zu ihrem Tod. Sie wurde Berliner Ehrenbürgerin und engagierte sich bis zuletzt als Zeitzeugin.

Auch Gymnasium wird nach Friedländer benannt

Musikalisch gestaltet wurde der Festakt vom Ensemble des israelischen Klarinettisten Nur Ben Shalom und vom Schulchor des Hans-Carossa-Gymnasiums in Berlin-Spandau. Künftig wird die Schule den Namen Margot-Friedländer-Gymnasium tragen. Seibeld übergab den Schülerinnen und Schülern zudem das letzte Wort. „So hätte es sich Margot Friedländer auch gewünscht.“

Von Jonas Grimm (epd)