Die Mobile Opferberatung hat für das Jahr 2025 in Sachsen-Anhalt einen Rückgang rechter, rassistischer und queerfeindlicher Gewalt festgestellt. Es seien insgesamt 229 Angriffe auf 307 Betroffene dokumentiert worden, sagte Projektleiterin Antje Arndt am Montag in Magdeburg. Im Jahr zuvor waren es 290 Angriffe gegen 414 Betroffene, demnach ging die Zahl der Angriffe um 21 Prozent zurück. „Wir sehen eine große Gefahr in der weiteren Normalisierung rechter oder minderheitenfeindlicher Positionen“, sagte Arndt. Politik und Gesellschaft müssten Betroffene konsequent schützen und Beratungsangebote dauerhaft absichern.
Den Angaben zufolge habe es in Sachsen-Anhalt 6,7 rechte Angriffe pro 100.000 Einwohner im Jahr 2025 gegeben - etwa dreimal so viel wie im Durchschnitt der westdeutschen Flächenländer. Das sei besorgniserregend. Laut Opferberatung wurden neben 135 Körperverletzungsdelikten, 82 Bedrohungen bzw. Nötigungen und sieben Brandstiftungen sowie fünf massive Sachbeschädigungen registriert.
Rassistisch motivierte Gewalt bildet Schwerpunkt
Den größten Anteil an allen Gewaltdelikten hatten weiterhin rassistisch motivierte Angriffe. Sie machten laut Opferberatung 130 der 229 Angriffe aus. Besonders erschreckend sei, dass mindestens 42 der 185 direkt Betroffenen Kinder und Jugendliche waren. „Wir reden dabei nicht über ein Randthema“, sagte der Sprecher des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt, Saaeid Saaeid. Besonders zu Jahresbeginn 2025, unmittelbar nach dem Weihnachtsmarktanschlag von Magdeburg, sei die Zahl rassistischer und antimuslimischer Gewalttaten auch in Schulen nach oben geschnellt und erst im Jahresverlauf zurückgegangen.
Beratungsstrukturen unbedingt erhalten
Die Verunsicherung sitze bei vielen Migrantinnen und Migranten tief. „Diskriminierung gehört für die meisten schon zum Alltag“, sagte Saaeid. Wenn dann Verfahren eingestellt werden und der Schutz ausbleibt, dann verlieren die Menschen das Vertrauen in den Rechtsstaat. Deshalb müsse unbedingt die Kürzung von Fördergeldern verhindert werden, sonst würden Anlaufstellen wie die Opferberatung ersatzlos wegfallen.
„Wir brauchen endlich einen konsequenten Schutz für Betroffene rechter Gewalt, eine dauerhafte und auskömmliche Finanzierung der Beratungs- und Unterstützungsstrukturen sowie mehr Prävention und politische Bildung“, sagte der migrationspolitische Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, Wulf Gallert.
Anstieg bei politisch motivierten Delikten
Bei politisch motivierten Delikten sei die Zahl sogar von 46 im Jahr 2024 auf 61 im Jahr 2025 gestiegen. Zugleich seien queerfeindliche Gewalttaten mit 22 nahezu auf dem Vorjahresniveau verharrt. Viele Betroffene im Land sitzen sprichwörtlich auf gepackten Koffern, sagte Daria Kinga Majewski, Sprecherin des queerpolitischen Runden Tischs Sachsen-Anhalt.
Lediglich die antisemitische Gewalt sei gegenüber dem Vorjahr deutlich auf neun Vorfälle gesunken. Jedoch sei dieser Rückgang „kein Zeichen der Entwarnung, sondern Zeugnis einer fortschreitenden Unsichtbarmachung von Jüdinnen und Juden“, sagte Antje Arndt. Denn infolge wachsender Bedrohung und fehlender Solidarisierung würden es Betroffene zunehmend vermeiden, sich im Alltag als jüdisch zu erkennen zu geben.