In Sachsen ist die Zahl der Rechtsextremisten weiter gestiegen. Für 2025 beziffert der am Dienstag in Dresden vorgestellte Verfassungsschutzbericht das „rechtsextremistische Personenpotenzial“ auf 6.550 Männer und Frauen. Ein Jahr zuvor lag diese Zahl bei 6.000 Menschen, 2023 bei 5.750 Menschen.
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte: „Wenn rechtsextremistische Symbole im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof unwidersprochen bleiben, ist das Ausdruck einer fortschreitenden Normalisierung verfassungsfeindlicher Positionen.“ Ein Beispiel für die „Normalisierung“ sei die Oberbürgermeisterwahl in Aue-Bad Schlema am vergangenen Sonntag, wo der Rechtsextremist Stefan Hartung („Freie Sachsen“) dem CDU-Kandidaten Marcus Hoffmann nur knapp unterlag. Das Ergebnis sei für hin „eines der schwerwiegenden Symptome“, sagte Schuster.
Gewaltbereitschaft schon im Kindesalter
Zudem gebe es eine weitere „drastische Verjüngung im rechtsextremistischen Personenpotenzial“. Teilnehmende bei Anti-CSD-Demonstrationen seien zum Beispiel „fast durchgängig“ unter 18 Jahren alt. Selbst zehn- und elfjährige Kinder zeigten Gewaltbereitschaft. Zudem gelinge Verfassungsfeinden eine „Anschlussfähigkeit bis weit ins bürgerliche Lager hinein“.
Die Zahlenangaben beruhen laut Landesamt für Verfassungsschutz auf Schätzungen sowie Rundungen und berücksichtigen zudem das sogenannte Dunkelfeld. Der sächsische Verfassungsschutz spricht daher vom „Personenpotenzial“.
Mehr Gewaltdelikte von Linksextremisten
Insgesamt seien 3.263 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund verzeichnet worden und damit weniger als im Vorjahr. 2024 hatte es mit 3.919 Delikten einen neuen Höchstwert gegeben. Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten sei im Vergleich zu 2024 von 109 auf 73 gesunken. Das linksextremistische „Personenpotenzial“ beziffert der Bericht auf 975 (2024: 900)
Von Linksextremisten wurden laut dem Bericht 1.131 Straftaten begangen, etwas mehr als 2024 (1.099 Delikte). Darunter waren den Angaben zufolge 135 Gewaltdelikte (2024: 92). Schuster erklärte: „Innerhalb der linksextremistischen Szene vollzieht sich entlang der Haltung zu Israel in der Palästina-Frage eine tiefe Spaltung zwischen Dogmatikern und Autonomen.“
Spaltung der linken Szene
Laut dem Präsidenten des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen, Dirk-Martin Christian, vollzieht sich eine Aufspaltung der linken Szene. Ein Teil davon seien „dogmatische, auslandsbezogene Linksextremisten“, die zum Teil gewaltbereit seien. Es gebe eine „enorme Anschlussfähigkeit im Hochschulbereich und im Kulturbereich“ bis hinein ins linksbürgerliche Lager.
Christian betonte zudem: „Extremisten jeglicher Couleur werden jünger und digitaler.“ Aus anfänglicher Neugier werde Sympathie und aus Überzeugung folgten Taten. „Die Taktik vom Wolf im Schafspelz scheint aufzugehen“, sagte der Präsident.
Der AfD mit insgesamt rund 4.400 Mitgliedern in Sachsen werden laut Christian etwa 2.000 Rechtsextremisten zugeordnet, 2024 waren in der Partei laut Bericht rund 1.550 Rechtsextremisten aktiv. Zur heterogenen Szene der sogenannten Reichsbürger gehören dem Verfassungsschutz zufolge 3.000 Menschen (2024: 3.100 Menschen).