Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) hat für das Jahr 2025 mit 2.076 Vorfällen einen erneuten Höchststand dokumentiert. Im Vergleich zum Vorjahr handele es sich um einen Anstieg um rund 24 Prozent (2024: 1.678 Fälle), sagte MIA-Geschäftsführer Guillermo Ruiz bei der Vorstellung des Jahresberichts am Dienstag in Berlin. Die Organisation geht zudem von einem großen Dunkelfeld antiziganistischer Vorfälle aus.
Besonders stark wuchsen Stereotypisierungen und Herabwürdigungen, konkret um rund 40 Prozent auf 1.193 Fälle. Diese Vorfallart kam am häufigsten vor. Zudem sei es zu 55 körperlichen Angriffen, 41 Sachbeschädigungen und acht Fällen extremer Gewalt gekommen.
Viele Vorfälle mit staatlichen Behörden
Antiziganismus trat in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen auf. Besonders häufig seien antiziganistische Vorfälle beim Kontakt mit staatlichen Behörden (428 Fälle) gewesen. Besonders die Polizeibehörden stachen dabei heraus, bei 29 Prozent der Fälle seien Polizistinnen und Polizisten in die Vorfälle involviert gewesen, hieß es. An zweiter Stelle bei den Lebensbereichen folgte die Bildung (364 Fälle). Auch beim Wohnen (279 Fälle) sei es häufig zu Antiziganismus gekommen.
Am häufigsten erscheine der Antiziganismus in seiner „bürgerlichen“ Form (953 Vorfälle). Laut MIA werden Sinti und Roma dabei als vermeintlich abweichend von gesellschaftlichen Normen dargestellt oder eine Neigung zu Kriminalität und Sozialleistungsmissbrauch unterstellt.
Ruiz: AfD-Politiker betreiben Hetze
Ruiz nannte als Gründe für den Anstieg den „Rechtsruck in Teilen der Gesellschaft“. Er beklagte etwa einen gestiegenen Antiziganismus in der Politik. Vor allem AfD-Politiker trügen zu antiziganistischer Hetze bei.
Die Einschätzung teilte der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Michael Brand. Sinti und Roma würden „von nationalistischen Kräften“ immer mehr ins Visier genommen, sagte er. „Antisemitismus, Antiziganismus und jeder andere Extremismus haben in Deutschland keinen Platz und werden bekämpft“, sagte Brand.
Gleichzeitig gebe es in der Gesellschaft viel Unwissenheit über Sinti und Roma, stellte Brand fest. Etwa wüssten viele Menschen nicht, dass es den NS-Völkermord an der Minderheit gegeben hat.
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, mahnte: „Wir müssen die Demokratie heute verteidigen.“ Zu einer Demokratie gehörten die Minderheiten, erklärte er. „Wenn wir die Demokratie verlieren, verlieren wir alle.“
Maßnahmen im Bereich Wohnen gefordert
MIA forderte unter anderem eine solide Finanzierung der Meldestelle. Über 2026 hinaus sei die Finanzierung nicht gesichert. Weitere Maßnahmen für den Abbau antiziganistischer Vorurteile wurden insbesondere für den Bereich Wohnen verlangt.
Die Zahlen stammen aus der bundesweiten Arbeit der MIA-Bundesgeschäftsstelle sowie der Meldestellen in sechs Bundesländern. Antiziganismus beschreibt laut MIA die gesellschaftlich tradierte Wahrnehmung von und den Umgang mit Menschen oder sozialen Gruppen, die als „Zigeuner“ konstruiert, stigmatisiert und verfolgt werden. Die Diskriminierung richte sich unter anderem gegen Sinti und Roma, Jenische oder auch Reisende.