Besserer Schutz für Opfer rassistischer Gewalt gefordert
Berlin (epd).

Die Berliner Opferberatungsstelle „Reach Out“ hat einen besseren Schutz von Betroffenen rassistischer Gewalt gefordert. Neben einer „konsequenten Strafverfolgung“ von Straftaten müssten Betroffene durch amtliche Auskunftssperren und Unkenntlichmachung persönlicher Daten vor weiteren Bedrohungen geschützt werden, sagte Parto Tavangar von „Reach Out“ am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025. Im vergangenen Jahr registrierte die Opferberatungsstelle erneut einen Anstieg rassistischer und rechtsextremer Angriffe in der Hauptstadt.

Beklagt wurde vor allem eine „häufige Täter-Opfer-Umkehr durch Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte“. Dies führe dazu, dass Betroffene rassistischer und rechtsextremer Gewalt nicht nur eingeschüchtert, sondern selbst kriminalisiert werden. Für Menschen im Asyl- und Aufenthaltsverfahren bedeute dies eine Gefährdung ihrer Bleiberechtsperspektiven. Zudem verschärfe „insbesondere institutioneller Rassismus in der Strafverfolgung“ die psychischen und physischen Folgen von Angriffen für die Betroffenen.

Verletzt, bedroht, bespuckt

Für 2025 dokumentierte „Reach Out“ 358 rassistische und rechtsextrem motivierte Angriffe (2024: 328), die höchste Angriffszahl seit 2019. Dabei seien mindestens 545 Menschen verletzt, massiv bedroht, gejagt oder bespuckt worden. Darunter seien 25 Kinder und 43 Jugendliche gewesen. Die Angriffe erfolgten demnach zumeist im öffentlichen Raum, in Verkehrsmitteln, aber auch auf Demonstrationen, im Supermarkt und in Restaurants. „Hotspot rassistischer Mobilmachung“ war der Bezirk Mitte mit 67 Angriffen (2024: 62), wie Johanna Mohrfeldt sagte, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg (64/2024: 55) und Lichtenberg/Hohenschönhausen (37/2024: 37).

So bewarf laut Dokumentation etwa am 17. April vergangenen Jahres in einem Supermarkt in Schöneweide ein Unbekannter „aus rassistischer Motivation“ einen Mann mit einer Saftpackung. Auch mehrere Fälle mutmaßlicher „rassistischer Polizeigewalt“ in Wohnungen der Berliner Jugendhilfe führt die Chronik auf. „Reach Out“ zählte im vergangenen Jahr insgesamt 1.042 Beratungsgespräche mit Betroffenen.

Angriffe vor allem rassistisch motiviert

Die Opferberater gehen dabei von einer hohen Dunkelziffer aus. Die dokumentierten Vorfälle spiegelten „nur einen Bruchteil der tatsächlichen rassistischen und rechten Angriffe“ wider. Viele Betroffene meldeten die Vorfälle nicht, „aus Angst vor weiterer Kriminalisierung“ oder „mangelndem Vertrauen in staatliche Institutionen“.

Bei den Angriffen handelte es sich den Angaben zufolge mehrheitlich um Körperverletzungen (2025: 217; 2024: 149), gefährliche Körperverletzungen (2025: 101; 2024: 102) und massive Bedrohungen (2025: 37; 2024: 16). Mit 208 von 358 Taten seien weit über die Hälfte der Angriffe rassistisch motiviert (2024: 185 von 328) gewesen; davon mindestens 37 Angriffe aus einem antimuslimischen Motiv (2024: 33). 28 Angriffe richteten sich gegen Schwarze Menschen (2024: 24). Antisemitische Vorfälle veröffentlicht seit 2024 den Angaben zufolge ausschließlich die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS).

Von Lukas Philippi (epd)