Verschwundene Journalistin soll in Haft sein
Köln, Berlin (epd).

Die in Syrien verschwundene Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann soll sich in einem Gefängnis in Aleppo in Haft befinden. Dies hätten bei einem Gefangenenaustausch freigelassene Angehörige der Kurden-Miliz „Syrische Demokratische Kräfte“ (SDF) berichtet, erklärte der Anwalt der Familie Michelmanns, Roland Meister, in Gelsenkirchen. Michelmann soll sich demnach in der politischen Abteilung für weibliche Gefangene befinden. Die syrische Übergangsregierung verneine weiterhin die Inhaftierung Michelmanns.

Michelmann und ihr türkisch-kurdischer Kollege Ahmed Polat sollen im Januar beim Einmarsch der Armee der syrischen Übergangsregierung in Rakka (Raqqa) verschleppt worden sein. Dies hätte mittlerweile ein Augenzeuge bestätigt. Der Augenzeuge habe berichtet, dass ein Regierungsvertreter für die Region Aleppo den gesonderten Transport von Michelmann und Polat befohlen habe.

Misshandlungen und Hunger

Ein freigelassener SDF-Kämpfer berichtete laut Meister, dass Ahmed Polat Anfang April in seine Abteilung verlegt worden sei. Der Zeuge habe von Misshandlungen und Hunger berichtet.

Der Fall Michelmann war auch Thema in der Regierungspressekonferenz am Montag in Berlin. Das Auswärtige Amt erklärte dort, es sei weiter „intensiv mit dem Fall befasst“, die konsularische Betreuung erfolge über die Botschaft in Beirut. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes könne zu einer möglichen Inhaftierung keine Angaben gemacht werden. Die 36-Jährige berichtet den Angaben zufolge seit 2022 als freie Journalistin aus Nordost-Syrien und veröffentlichte Artikel in einer türkischsprachigen Nachrichtenagentur.