Beratungsstelle: Kein Rückgang bei antisemitischer Gewalt
Berlin (epd).

Die Beratungsstellen des Vereins Ofek für Fälle antisemitischer Gewalt und von Diskriminierung registrieren weiterhin eine große Nachfrage. Von Oktober 2025 bis September 2026 seien bundesweit 1.109 Beratungsfälle aufgenommen, dokumentiert und umfassend beraten worden, teilte Ofek am Montag in Berlin mit.

Auch drei Jahre nach dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 bleibe das Beratungsaufkommen konstant hoch und liege bei einem Vielfachen des Niveaus vor dem 7. Oktober. Im vorvergangenen Jahreszeitraum waren 1.108 Beratungsfälle gezählt worden. In 60 Prozent der Beratungen seien Ratsuchende für vermeintliche oder tatsächliche Handlungen Israels verantwortlich gemacht worden oder sei antisemitische Gewalt unter Berufung auf den Nahostkonflikt gerechtfertigt worden.

Zunehmend im Alltag betroffen

Ofek spricht dabei von einer „qualitativen Verschärfung“: Gewalthandlungen, Bedrohungen, Anfeindungen und Diskriminierungen träfen Menschen in nahezu sämtlichen sozialen Sphären „und greifen zunehmend in ihren Alltag ein“. In 166 Fällen sei es um Antisemitismus am Arbeitsplatz gegangen, in 73 Fällen um Vorfälle in der Schule sowie in 69 Fällen an Hochschulen. Auffällig sei die gestiegene Zahl der Fälle im Wohnverhältnis der Betroffenen (66). Auch in der unmittelbaren Nachbarschaft der Ratsuchenden habe die Zahl der Fälle zugenommen. Dies verstärke das Unsicherheitsempfinden und könne existenzielle Ängste auslösen. Ofek bietet zudem für Institutionen Fachberatungen sowie Weiterbildungen an.

Ofek hat Standorte in sieben Bundesländern und ist Träger von Meldestellen in Sachsen und Sachsen-Anhalt.