Vor der Insel Usedom testet der Verein „Rewilding Oder Delta“ eine neue Methode zur Wiederanpflanzung von Seegraswiesen. Die natürlichen Bestände an der Ostseeküste sind bedroht, dabei hat Seegras ein großes Potenzial im Hinblick auf Küsten- und Klimaschutz sowie für den Erhalt der Biodiversität, wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Mittwoch in Osnabrück mitteilte. Bislang seien Anpflanzungen sehr arbeitsintensiv: Taucher müssten einzelne Pflanzen händisch im Meeresboden ausbringen. Der Verein will diesen Aufwand reduzieren. Sein Projekt wird von der DBU mit rund 175.000 Euro gefördert.
Die Methode nutzt sogenannte biologisch abbaubare Aufwuchsträger, die auf Basis von angespülten Seegrashalmen gefertigt werden. Die schlauchförmigen Träger enthalten feuchten Sand, der als Substrat für die Jungpflanzen dient. Zudem sorgt er für Gewicht, damit das Seegras trotz Strömungen in Position bleibt und Wurzeln schlagen kann. Die Träger zerfallen nach wenigen Wochen rückstandslos.
Weniger Tauchstunden nötig
Unter geschützten Bedingungen habe sich die Ansiedlung mittels Träger bereits als erfolgreich erwiesen. Jetzt werde die Methode in wellenexponierter Lage zwischen Rügen und Usedom erprobt. Drei Flächen von je rund 20 Quadratmetern seien für Testpflanzungen geplant, zwei seien bereits bepflanzt. Schon jetzt könne festgehalten werden, „dass wir deutlich weniger Taucherstunden brauchen als bei bisherigen Anpflanzmethoden“, sagte Fachreferent Ringo Behn von „Rewilding Oder Delta“.
Der neue Ansatz könne die großflächige Wiederansiedlung von Seegras deutlich erleichtern. Diese könnte ein „echter Hebel“ sein, um im Küstenmeer eine intakte Natur und damit die Grundlage für eine funktionierende Küstenwirtschaft zu erhalten, sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Seegras stabilisiere Küstenlinien, binde Kohlendioxid und schütze Biodiversität und Wasserqualität. Es sei Lebens- und Rückzugsraum für bedrohte Arten und beuge der Erosion in Küstenbereichen vor.