Keine Trendwende am studentischen Wohnungsmarkt
BAföG reicht meist nicht für WG-Zimmer
Wiesloch, Hamburg (epd).

Die BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro im Monat deckt die Kosten für die Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Wohnung lediglich in Chemnitz (Sachsen). Das geht aus dem Studentenwohnreport 2026 hervor, den der Finanzdienstleister MLP SE gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Mittwoch veröffentlicht hat. Untersucht wurde die Preisentwicklung bei kleinen Wohnungen, WG-Zimmern und möblierten Wohnungen auf Zeit an 38 Hochschulstandorten in Deutschland.

Anhand einer studentische Musterwohnung mit 30 Quadratmetern sowie einem hypothetischen WG-Zimmer mit 20 Quadratmetern verdeutlicht der Report, wie regional unterschiedlich die Mietkosten an den einzelnen Hochschulstandorten ausfallen: Am teuersten ist die Musterwohnung in München mit rund 880 Euro Warmmiete, gefolgt von Berlin, Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Heidelberg mit etwa 700 bis 720 Euro. Am günstigsten ist Chemnitz mit rund 280 Euro.

Große Spreizung der Mieten

Auch beim Muster-WG-Zimmer reicht die Spanne von rund 850 Euro in München über 736 Euro in Hamburg, 404 Euro in Kiel bis rund 220 Euro in Chemnitz. Studierende mit eigener Haushaltsführung gaben 2025 laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich rund 54 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnen aus, mehr als doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung. Günstigen Wohnraum für Studierende gebe es nur in Saarbrücken, dem Ruhrgebiet und Ostdeutschland, sagte Voigtländer.

Trotz eines zuletzt geringeren Preisdrucks würden die Mieten für studentisches Wohnen ausgehend von einem hohen Niveau weiter steigen, hieß es im 8. Studentenwohnreport. Die qualitätsbereinigten Mieten lagen danach im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. „Die geringere Dynamik ist noch keine Trendwende. Bezahlbare, kleine Wohnungen bleiben in vielen Hochschulstädten knapp,“ sagte der Immobilienökonom am Institut für Deutsche Wirtschaft in Köln, Michael Voigtländer.

Der Wohnungsbau sei in ganz Deutschland rückläufig. Grund seien steigende Bau- und Finanzierungskosten beim Neubau. „Zusätzliche Regulierung sollte deshalb sorgfältig daraufhin geprüft werden, ob sie Investitionen und Vermietung ungewollt weiter erschwert,“ sagte Voigtländer.

Start in anderer Stadt wird schwieriger

Neben kleinen Wohnungen und WG-Zimmern gewinnen möblierte Wohnungen an Bedeutung, insbesondere bei kurzfristigem Wohnbedarf oder für Studierende, die aus dem Ausland neu an einen Hochschulstandort ziehen. „Der Startpunkt in einer anderen Stadt wird schwieriger“, lautet das Fazit der Studienautoren.

Zunehmend wählen Studierende Quartiere im Umland. „Großstädte haben ein Preisniveau erreicht, das schwer zu steigern ist“, sagte Voigtländer. Die „Ausweichbewegungen“ ins Umland schätzt der Ökonom jedoch als „kurze Phase“ ein. Mittelfristig erwarte er mehr Studierende gerade an beliebten Hochschulstandorten wie Münster, Hamburg, Berlin oder Leipzig.

Bezahlbares Wohnen für Studierende sei für Deutschland ein Standortfaktor, sagte der Vorstandsvorsitzende von MLP, Uwe Schroeder-Wildberg. „Wenn Studierende ihren Studienort zunehmend nach bezahlbarem Wohnraum statt nach den besten fachlichen Perspektiven auswählen müssen, wird das zum Problem für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland“, betont er. Hohe Wohnkosten dürften nicht darüber entscheiden, welche Bildungswege jungen Menschen offenstehen.

Von Susanne Lohse (epd)