Die schleswig-holsteinische Gesundheitsministerin Kerstin van Decken (CDU) hat einen Förderbescheid in Höhe von 100.000 Euro an die Kieler Fachstelle „Tabu“ der Diakonie Altholstein überreicht. „Tabu“ setze sich für den Schutz vor weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C) ein, teilte das Gesundheitsministerium am Montag mit.
„Wir wollen Mädchen und Frauen besser schützen. Denn kein Mädchen oder keine Frau sollte gezwungen werden, ihre Genitalien verstümmeln zu lassen“, sagte die Ministerin van Decken. Seit 2018 bietet die Fachstelle „Tabu“ gezielte Beratungs- und Hilfsangebote für betroffene und gefährdete Mädchen und Frauen. 130 Personen seien im Jahr 2025 persönlich in Schleswig-Holstein beraten worden.
Ein deutschlandweites Problem
Bundesweit schätzte das Bundesfamilienministerium im Jahr 2024 die Zahl der von FGM/C betroffenen oder bedrohten Frauen und Mädchen auf 123.000. Für Schleswig-Holstein liegen Schätzungen der Organisation „Terre des Femmes“ aus dem Jahr 2022 vor. Demnach seien insgesamt 3.500 Frauen und Mädchen im Bundesland von Genitalverstümmelung betroffen oder gefährdet.
„Viele gefährdete oder betroffene Frauen und Mädchen erreichen spezialisierte Angebote nicht - insbesondere in ländlichen Regionen“, sagte Vanessa Trampe-Kieslich, Geschäftsbereichsleitung Soziale Hilfen der Diakonie Altholstein. Insbesondere Frauen und Mädchen, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland lebten, „suchen eine Beratungsstelle häufig erst dann auf, wenn FGM/C im Asylverfahren relevant wird.“
Nach dem Auslaufen der EU-Förderung, über die ein Großteil der Arbeit von „Tabu“ finanziert worden sei, ermögliche die Landesfinanzierung nun, die Beratungsarbeit fortzuführen. „Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung“, sagte Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein. Besonders da diese Gewalt oft im Verborgenen stattfinde, brauche es „Sichtbarkeit, fachliche Expertise und verlässliche Rahmenbedingungen - damit betroffene und gefährdete Mädchen und Frauen dauerhaft wirksam unterstützt werden können.“