Ausstellungen in Osnabrück über jüdische Geschichte und Räume
s:19:"Felix-Nussbaum-Haus";
Felix-Nussbaum-Haus
Nussbaum-Haus zeigt Schau über Emigration, Flucht und Vertreibung
Osnabrück (epd).

Das Museumsquartier und die Kunsthalle Osnabrück widmen sich in diesem Jahr zentralen Fragen von Macht, Ausgrenzung und gesellschaftlichem Zusammenleben. Die geplanten Ausstellungen forderten die Besucherinnen und Besucher dazu auf, sich für demokratische Werte und ein respektvolles Miteinander in einer vielfältigen Stadtgesellschaft einzusetzen, betonte der Erste Stadtrat Wolfgang Beckermann am Montag. Die Ausstellungsorte schafften mit ihren Programmen wichtige Räume für Dialog und Austausch, ergänzte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU).

Das Museumsquartier lege seinen Schwerpunkt etwa auf die jüdische Geschichte und die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Vertreibung, hieß es. Die Ausstellung „Van den Yoden - Jüdisches Leben im spätmittelalterlichen Osnabrück“ erzählt vom 22. März bis 30. August im Kulturgeschichtlichen Museum die Geschichte der ersten jüdischen Gemeinde in der Stadt, die von etwa 1260 bis 1430 bestanden habe.

Ausstellung über Maskeraden

Anhand von historischen Dokumenten und Objekten erinnert die Schau an das von Konflikten und einem tiefen Antijudaismus geprägte Nebeneinander der christlichen Mehrheitsgesellschaft und der jüdischen Minderheit. Nach 1400 hielt die christliche Mehrheit die jüdischen Familien für entbehrlich, weil sich das Geldwesen veränderte und die bislang geschätzten Vorzüge des jüdischen Geldverleihs nicht länger gefragt waren.

Im Felix-Nussbaum-Haus setzt sich die Künstlerin und Musikerin Michaela Melián vom 5. Juni bis Ende Mai 2027 mit den Werken des jüdischen Malers Nussbaum (1904-1944) auseinander. Ihre Klangskulpturen und Projektionen thematisieren Emigration, Flucht und Vertreibung, wie sie auch Nussbaum erlebt hat. Sie sollen dazu anregen, über Sichtbarkeit, Machtverhältnisse und Erinnerung nachzudenken. Nussbaum wurde in Osnabrück geboren und in Auschwitz von den Nazis ermordet.

Unter dem Titel „Felix Nussbaum - Maskeraden“ beschäftigt sich erstmals eine Ausstellung mit einem zentralen Thema im Werk des Künstlers. Masken, Grimassen und Verkleidungen seien für ihn Mittel der künstlerischen Selbstreflexion in Zeiten persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Unsicherheit und Bedrohung gewesen, hieß es. Vor allem während seiner Zeit im belgischen Exil ab 1935 habe er auf das Motiv zurückgegriffen. Die Schau ist vom 22. November bis zum 4. April 2027 zu sehen.

Kunstwerke auch im Stadtraum zu sehen

Die Kunsthalle untersucht den Angaben zufolge mit ihrem Jahresthema „Raumordnung“ die sozialen, politischen und ästhetischen Dimensionen des Raumes. Dabei stehe die Frage im Zentrum, wie Räume strukturiert seien, wer sie nutzen dürfe und wie sie durch künstlerische Praktiken neu verhandelbar würden.

Fünf Kunstschaffende werden ihre Arbeiten zwischen dem 27. Juni und dem 21. Februar 2027 sowohl in der Kunsthalle als auch im Stadtraum präsentieren. Darunter ist etwa Aleen Solari, die für das Kirchenschiff der ehemaligen Klosterkirche eine Installation kreieren will, die einen Ort zwischen Vereinsheim, Kneipe und Marktplatz zeigen soll.

Lena Marie Emrich wird für den Kreuzgang korridorartige Räume als Orte des Innehaltens und der Begegnung bauen. Julia Miorin entwirft für den Innenhof ein begehbares künstlerisch gestaltetes Spielbrett. Die Kunsthalle befindet sich in einer früheren Kirche des Dominikanerordens.

Von Martina Schwager (epd)