150. Geburtstag: Museen blicken auf Paula Modersohn-Becker
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Paula Modersohn-Becker
Worpswede, Dresden (epd).

Die Worpsweder Malerin Paula Modersohn-Becker gilt als Pionierin des Expressionismus, ihre Arbeiten sind mittlerweile weltweit anerkannt. Am 8. Februar 1876 wurde sie in Dresden geboren, am 20. November 1907 starb sie in Worpswede bei Bremen wenige Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde an einer Embolie. Zu ihrem 150. Geburtstag würdigen mehrere Museen die Arbeit der Malerin mit großen Jubiläumsausstellungen. Ein Überblick:

Becoming Paula

Bereits 1927 wurde in der Bremer Böttcherstraße nur ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt das heutige Paula Modersohn-Becker Museum eröffnet - das erste einer Malerin gewidmete Museum weltweit. Es präsentiert exakt vom 150. Geburtstag der Malerin am 8. Februar bis zum 13. September in fünf Themenkomplexen eine Ausstellung, die einen analytischen Blick auf die Frau wirft, die bis zu ihrem Tod im 31. Lebensjahr allein rund 750 Gemälde geschaffen hat. Titel: „Becoming Paula“. Das Haus will zeigen, wie Paula Modersohn-Becker schon seit ihrer Studienzeit ihren eigenen, freien und selbstständigen künstlerischen Weg ging. Neben den berühmten Bildern ihrer letzten Lebensjahre rückt die Retrospektive darüber hinaus die Rezeption der Malerin im 20. und 21. Jahrhundert in den Fokus.

Noch bis zum 18. Januar läuft an Ort und Stelle eine Ausstellung, die sich unter der Überschrift „Short Stories“ mit Paula beschäftigt. In acht Sälen lädt sie mit thematischen Schwerpunkten dazu ein, sich in ausgewählte Momente aus Leben, Werk und Rezeption der Malerin zu vertiefen. Ergänzt durch Texte, Dokumente und Gegenstände erzählt die Präsentation ihrer Bilder Kurzgeschichten rund um das Schaffen der Künstlerin.

Impuls Paula

Die vier zentralen Museen im Künstlerdorf Worpswede bei Bremen erkunden in einer Gemeinschaftsausstellung unter dem Titel „Impuls Paula“, wie Paula Modersohn-Becker bis heute Künstlerinnen und Künstler inspiriert. Beteiligt sind vom 7. Februar bis zum 1. November der Barkenhoff, die Große Kunstschau, die Worpsweder Kunsthalle und das Haus im Schluh. Sie laden zu einer Entdeckungsreise ein, die sich im Dorf fortsetzt. Denn in Worpswede erinnern zahlreiche Orte und Spuren wie die Zionskirche, Paulas ehemaliges Atelier, ihr Grabmal und natürlich Bildmotive an das Leben der Malerin.

Jedes der vier Worpsweder Museen folgt einer anderen Spur. Im Zentrum steht jeweils eines der Werke von Paula Modersohn-Becker. Sie geben die Impulse, die sich wie rote Fäden durch die Ausstellungen ziehen. Mal ist es der Blick auf sich selbst, mal der Blick auf andere. Mal ist es die Haltung zum Gegenüber, die sich im Gemälde zeigt, und mal ein Ausflug in ganz andere Sparten der Kunst. Bis dahin und noch bis zum 18. Januar zeigen die Worpsweder Museen gemeinschaftlich eine Ausstellung, die Paula Modersohn-Becker und ihre Weggefährtinnen zum Thema hat. Titel: „Der unteilbare Himmel“.

Die großen Fragen des Lebens

Die großen Fragen des Lebens stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung, mit der das Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden Werke von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch vorstellt. Beide Künstlerpersönlichkeiten waren Seismografen ihrer Zeit, die in ausdrucksstarken Bildern künstlerische Antworten auf Fragen fanden, die sich an das Leben richteten - von der Geburt bis zum Tod. Die Schau wird in Kooperation mit dem Munch Museum in Oslo realisiert. Sie soll ebenfalls genau zum 150. Geburtstag am 8. Februar beginnen und bis zum 31. Mai in Dresden zu sehen sein.

Eigentlich sollte die Schau ab September auch im Bremer Paula Modersohn-Becker Museum gezeigt werden. Doch die Präsentation in der Hansestadt scheitert aus finanziellen Gründen. Dem Haus fehlt es auch vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltslage im Land Bremen an öffentlicher Unterstützung.

Dokumentation und Kinofilm

Der TV-Sender Arte zeigt am 8. Februar ab 16.45 Uhr in einer Erstausstrahlung die Dokumentation „Paula Modersohn-Becker. Keine Kompromisse“. Die 53-minütige NDR-Produktion porträtiert eine Künstlerin, die unbeirrbar ihrer Vision gefolgt ist. Der Film beleuchtet die bis heute bestehenden Hürden für Frauen in der Kunst. Dabei geht es um Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und künstlerische Selbstbestimmung. Regie führten Annelie Boros und Vera Brückner.

Im Sommer soll ein Kino-Spielfilm über das Ausnahmetalent unter dem Titel „Wer weiß schon, was ein Leben ist?“ folgen. Die Dreharbeiten dazu liefen vergangenes Jahr im August und im September in Worpswede, Bremen, München und Paris. Auch hier führten Annelie Boros und Vera Brückner Regie. Zu sehen sind Katharina Stark als Paula Modersohn-Becker, Dominique Devenport als Clara Rilke-Westhoff sowie Enno Trebs als Otto Modersohn. Merlin Rose spielt Rainer Maria Rilke, und Florian Lukas tritt in einer Gastrolle als Heinrich Vogeler auf.

Zu Lebzeiten als professionelle Künstlerin kaum wahrgenommen, ist Paula Modersohn-Becker heute international anerkannt und wurde 2024 in New York und Chicago in Einzelausstellungen gefeiert. Ende November 2025 erzielte ihr „Selbstbildnis nach halblinks“ bei einer Auktion 1,27 Millionen Euro - Weltrekord für eine deutsche Malerin.

Von Dieter Sell (epd)