Niedersachsen bringt Künstliche Intelligenz an die Schulen
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Niedersachsen bringt Künstliche Intelligenz an die Schulen
Chatbot "telli" soll Kindern und Jugendlichen Rückmeldungen geben
Hannover (epd).

Das Land Niedersachsen will künftig Künstliche Intelligenz flächendeckend an Schulen einsetzen. Mit dem KI-Chatbot „telli“ stehe den Lehrkräften ab sofort landesweit eine datenschutzkonforme und für den Unterricht optimierte Anwendung zur Verfügung, teilte das Kultusministerium am Freitag in Hannover mit. „Telli“ könne etwa im Deutsch-Unterricht als Schreibcoach dienen und den Schülerinnen und Schülern ein Feedback für Erörterungen geben. Der Name leitet sich vom Projektnamen „Adaptives Intelligentes System“ ab. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) begrüßte die Einführung.

Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) betonte: „Schülerinnen und Schüler müssen auf einen Alltag vorbereitet sein, in dem KI allgegenwärtig ist.“ Mit „telli“ treibe das Land deshalb den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz an den Schulen voran. Der neue Chatbot könne zur Unterrichtsvorbereitung und fächerübergreifend zum individuellen Lernen genutzt werden. Er sei gezielt für den pädagogischen Einsatz an Schulen entwickelt worden.

Pilotprojekt an 30 Schulen

In einem Pilotprojekt an 30 Schulen und vier Studienseminaren hat das Land den Chatbot seit 2024 nach eigenen Angaben erprobt, erweitert und optimiert. Schule solle junge Menschen befähigen, KI kritisch, reflektiert und kompetent zu nutzen, hieß es. „Telli“ ist Teil eines länderübergreifenden Projekts, das durch das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht mit Sitz in Grünwald bei München umgesetzt wird.

Alle Server für „telli“ befänden sich in der Europäischen Union, betonte Sprecher Ulrich Schubert vom Kultusministerium in Hannover. Die Nutzungsdaten würden nicht an Dritte weitergegeben und nicht zum Training der KI verwendet. „Telli“ könne von Lehrkräften an einer elektronischen Tafel verwendet werden und den Schülerinnen und Schülern auch individuell auf einem digitalen Endgerät eine Rückmeldung geben, etwa bei der Lösung von Mathematik-Aufgaben. Das Land hatte angekündigt, für bis zu 800 Millionen Euro alle Schüler aufsteigend von der siebten Klasse mit digitalen Endgeräten wie Tablets auszustatten.

Unterricht ganz anders gestalten

„Wir geben damit den Lehrkräften die Möglichkeit, den Unterricht ganz anders zu gestalten“, sagte Schubert. Der Unterricht werde sich voraussichtlich dahingehend verändern, dass weniger einfach nur Lösungen abgefragt würden. „Es wird vielmehr geschaut werden, wie die Schüler da hingekommen sind.“ So werde auch möglichen Betrugsversuchen vorgebeugt.

Bei den Lehrkräften stößt der KI-Chatbot nach Angaben des Ministeriums auf eine positive Resonanz. „KI birgt Chancen und Gefahren, auf beides müssen wir die Schülerinnen und Schüler vorbereiten“, sagte etwa die Deutsch-Lehrerin Bettina Heck vom Osnabrücker Gymnasium „In der Wüste“, das an dem Pilotprojekt teilnahm.

Vielfältige Fortbildungen

Für den Lehrkräfte-Verband VNL sagte der Vorsitzende Torsten Neumann: „Künstliche Intelligenz ist längst Alltag, und Schule muss deshalb KI-Kompetenz, Quellenkritik und Erkennen von Desinformation systematisch aufbauen.“ Das sei besser als „Wildwuchs“. Allerdings müsse es einen technischen Support durch Fachkräfte geben. Das Projekt dürfe auch nicht an einer mangelnden Ausstattung mit Geräten oder schlechtem WLAN scheitern. Der VNL vertritt vor allem Lehrkräfte an Realschulen, Hauptschulen, Oberschulen und Gesamtschulen.

Für Lehrkräfte soll es laut Ministerium vielfältige Fortbildungsangebote zu „telli“ geben. Jede Schule und jede Lehrkraft solle selbst entscheiden, ob sie den Chatbot einsetzen wolle oder nicht, sagte Ulrich Schubert: „Wir wollen ihnen 'telli' schmackhaft machen.“

Von Michael Grau (epd)