Vorgarten: Wie man vor dem Haus das blühende Leben weckt
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Hobbygärtner
Frankfurt a.M. (epd).

Egal, ob vor Mehrfamilienhäusern in der Innenstadt oder in Einfamilienhausgegenden: Selbst der kleinste Vorgarten kann eine Oase der Artenvielfalt werden. Vor der Bepflanzung müssen Standort und Bodenqualität bedacht werden: Licht, Schatten oder Halbschatten, feuchter oder trockener, basischer oder saurer Boden. Was sonst noch wichtig ist, wenn man für Leben vor dem Haus sorgen möchte:

Modepflanzen, Klassiker und insektenfreundliche Alternativen

Von der beliebten Lorbeerkirsche als Hecke im Vorgarten rät der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ab. Sie sei eine „hochgiftige ökologische Pest“. Sie breite sich invasiv aus, kritisiert auch Naturgärtnerin und Planerin Birgit Helbig von „Naturgarten e.V.“. Sie denkt zurück an frühere Heckenmoden: „Erst Fichten, dann Thujen, jetzt Lorbeerkirsche.“ Dazu kurz geschorener Rasen, und fertig ist der vermeintlich pflegeleichte Vorgarten. „Aber nach 10 Jahren muss die Lorbeerkirsche geschnitten werden. Danach bildet sie Ausläufer und ist nicht mehr zu bändigen“, sagt Helbig.

Von Forsythien rät sie ebenfalls ab: Ohne Pollen und Nektar sei der asiatische Strauch eine ökologische Mogelpackung, der mit seinen gelben Blüten zwar Insekten anlocke, diese aber leer ausgehen lasse. Helbig plädiert stattdessen für Kornelkirschen oder heimische Arten wie Weißdorn, Berberitze oder Pfaffenhütchen als insektenfreundliche Alternativen.

Steril sind auch die klassischen Stiefmütterchen im Vorgartenbeet. Narbe und Staubblätter wurden weggezüchtet zugunsten großlappiger Blüten. Die kleineren Hornveilchen dagegen sind bei Bienen und Hummeln beliebt. Um bedrohten, spezialisierten Insekten zu helfen, müssen laut Helbig aber noch andere Pflanzen her: Glockenblumen jeder Art für die Kleine Glockenblumen-Scherenbiene oder der Wiesenknopf auf feuchtem Grund für den gefährdeten Wiesenknopf-Ameisenbläuling, am besten kombiniert mit Teufelsabbiss.

Bepflanzung in Zeiten des Klimawandels

Der Klimawandel mit seinen Hitze- und Dürrephasen ist bei der Pflanzenauswahl einzuplanen. Hilft da ein Präriegarten mit Gräsern, die im Schatten der Rocky Mountains sowohl Trockenheit als auch Blizzards gewohnt sind? Davon ist Helbig mit Blick auf Nahrungsquellen für Wildbienen nicht überzeugt: „50 Prozent der Wildbienen sind spezialisiert. Denen hilft ein Präriegarten gar nicht. Die Pflanzen sollten heimisch sein.“

Sven Nürnberger ist Gärtnermeister aus dem Frankfurter Palmengarten. Auch er sagt: „Man muss das Vorbild in der Natur suchen und dann auf den Garten übertragen.“ Allerdings meint er die globale Natur - und damit auch beispielsweise einen Präriegarten, die mediterrane Macchie mit ihren Kleingehölzen und die Alpenvegetation, etwa die Federgrasgesellschaften im Wallis.

Vollends heimisch sind etwa die an Wärme gewöhnten Pflanzengesellschaften im milden, trockenen unterfränkischen Weinbaugebiet bei Karlstadt nahe Würzburg. Was dort auf Muschelkalk und Sandboden wächst - etwa Federgräser, Sonnenröschen, Adonisröschen, Diptam und Steinbrech-Habichtskraut - lasse sich im Vorgarten gut mit Steppenpflanzen ergänzen, um die dekorative Phase zu verlängern, sagt Nürnberger.

Vorsicht bei invasiven Arten

„Das Pampasgras ist allerdings in Verruf geraten“, warnt er. In Spanien und Südfrankreich sei die invasive Pflanze aus Südamerika schon verboten, weil sie die heimische Vegetation verdränge; in Deutschland noch nicht. Manche Verbote findet der Gärtner übertrieben, etwa, dass die Schweiz den invasiven Sommerflieder verbiete, der doch die Schmetterlinge fördere und nicht viel Wasser brauche. Vielfach wird geraten, den Sommerflieder nach der Blüte auf jeden Fall zu schneiden, damit er sich nicht aussamen könne.

Alpenpflanzen, Edeldisteln, Kartäusernelken

„Alpenpflanzen wie der Enzian, der im Alpinum der Botanischen Gärten wächst, lassen sich auch auf Steingärten vor dem Haus übertragen“, schlägt Nürnberger vor. Blutstorchschnabel gedeihe im Halbtrockenrasen. Edeldisteln, Steppenwolfsmilch, Sandnelke und Kartäusernelke mögen es trocken und sandig. Die nordamerikanische Prachtkerze „Gaura“, die Bienen, Hummeln und Schmetterlingen Nahrung bietet, ist zwar nicht heimisch. Aber auch Naturgärtnerin Birgit Helbig ist zu Kompromissen bereit, wenn zumindest zwei Drittel des Gartens mit heimischen Gewächsen bepflanzt seien.

Leben in den Schottergarten bringen

Selbst ein vielerorts schon verbotener Schottervorgarten kann noch Leben hervorbringen, „wenn man ihm Vlies oder Folie wieder entzieht, Sand und Kompost einbringt und ihn in ein Magerbeet verwandelt“, erläutert Helbig. Natternkopf, Königskerze und Muskatellersalbei können dann dort blühen und Nahrung und Lebensraum für Natternkopf-Mauerbiene, Königskerzenmönch und Blauschwarze Holzbiene bieten. Der Gewöhnliche Natternkopf, auf den insgesamt 42 Arten von Schmetterlingen sowie 39 Arten von Wildbienen fliegen, ist 2026 auch „Wildpflanze des Jahres“ des Verbands Bioland.

Pflegeleicht sei eine reine Schotterfläche auf Dauer ohnehin nicht: Auf der Nordseite eines Gebäudes, erläutert Helbig, „wird der Schotter grün, weil er mit der Zeit veralgt.“ Zudem verhakten sich Löwenzahnsämlinge gern im Unkrautvlies: „Und nach drei bis vier Jahren wächst dann doch was.“

Naturgarten e.V.: www.naturgarten.org

Birgit Helbig: www.natur-garten-helbig.de

Nabu/Garten: https://s.epd.de/3uvz

Von Claudia Schülke (epd)