Der BUND in Hessen wird 50 und blickt auf viele Errungenschaften zurück. Trotz Nachwuchsproblemen und politischem Gegenwind will er auch in 50 Jahren noch für die Umwelt kämpfen.
Wiesbaden, Frankfurt a. M., Marburg (epd). Ob Bewirtung der Streuobstwiese, Naturpädagogik für Grundschulkinder oder Klagen gegen den Autobahnausbau: Seit 50 Jahren, seit dem 15. Oktober 1976, setzt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen für Umwelt- und Klimaschutz ein. „Ohne Verbände wie unseren sähe es in Sachen Umweltschutz sehr viel schlechter aus“, sagt Landesvorsitzender Jörg Nitsch. Dennoch spielten Natur und Umwelt heute oft eine nachranginge Rolle. „Da müssen wir uns weiterhin Gehör verschaffen“, sagt Nitsch.
Nitsch selbst ist bereits seit Anfang der 1980er Jahre beim BUND aktiv. Die Umweltbewegung war damals auf dem Vormarsch. In Frankfurt gab es große Proteste gegen den Bau der Startbahn West, auf Landesebene wurde das erste eigenständige Naturschutzgesetz verabschiedet. „Ein Riesenschritt“ erinnert sich Nitsch, denn das Gesetz ermöglicht Verbandsklagen und verschärft Vorgaben für den Umweltschutz. Bis heute nutzt der BUND die Möglichkeit der Verbandsklagen. Zugleich werde Umwelt- und Artenschutz heute bereits in der Planung von Bauprojekten stärker berücksicht, sagt Nitsch.
Weniger Engagement in Vereinen
Die 1980er waren auch die Zeit, in der Julia Beltz begann, sich im BUND zu engagieren. Heute ist sie Vorstandssprecherin beim BUND in Wiesbaden. 32.000 Mitglieder unterstützen hessenweit die Arbeit des Verbands, der sich rein durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Es gibt 24 Kreis- und 70 Ortsverbände. Die große Bandbreite an Themen, die der BUND bespielt, überzeugen Beltz damals wie heute.
Dennoch blickt sie aktuell kritisch auf die Situation des Verbands. Viele Menschen seien bereits seit Jahrzehnten aktiv, es kämen jedoch nicht genügend Jüngere nach. „Die Arbeit lastet auf immer weniger Schultern“, sagt sie. Die große Mobilisierung der Klimabewegung durch Fridays For Future habe sich auf den BUND kaum ausgewirkt.
Kritik am Kurs der schwarz-roten Landesregierung
Dieser sei in Sachen Mitgliederschwund kein Einzelfall, sagt Felix Anderl, Professor für Konfliktforschung an der Universität Marburg. Das Engagement in Vereinsstrukturen sei seit Jahren rückläufig, nicht jedoch die Politisierung. Es gebe heute mehr Demonstrationen, die junge Generation sei mobiler und stärker online unterwegs. Träger wie der BUND spielten aber weiterhin eine wichtige Rolle, um Brücken zu bauen zwischen der sozialen Bewegung auf der Straße und Entscheidungsträgern.
Julia Beltz ist es wichtig, Wissen, Engagement und Strukturen des Vereins aufrechtzuerhalten in Zeiten, in denen Umweltschutz global und in Hessen infrage gestellt würden. Letzeres kritisiert auch Landesvorsitzender Nitsch: Unter der aktuellen Landesregierung würden viele Errungenschaften im Natur- und Umweltbereich rückabgewickelt. Konkret nennt er das neue Gesetz zum Grünen Band, das den Naturschutz lockert, und die geplante Aufweichung des Hessischen Klimaschutzgesetzes. „Da müssen wir immer wieder den Finger in die Wunde legen“, sagt er.
Forscher: Umweltbewusstsein in den letzten 50 Jahren gestiegen
Zugleich sei der BUND an der Basis aktiv. Jeder Ortsverein habe seine ganz eigenen Schwerpunkte, je nach den Vorlieben der Aktiven vor Ort. Ob neue Tümpel, Infostände zur Abfallwirtschaft oder Rettung von Kröten: „Wir machen aktiven Naturschutz, ziehen Gummistiefel und Handschuhe an und packen an“, sagt Nitsch. Diese Verankerung an der Basis hält auch Anderl für ein wichtiges Merkmal des BUND. Durch die Nähe zu den Bürgern würden Alltagsfragen mit politischen Fragen verbunden.
Die Umweltbewegung beschreibt der Professor als eine der langlebigsten sozialen Bewegung in Deutschland. Insgesamt sei das Bewusstsein für Klima- und Umweltprobleme heute sehr viel größer als noch vor 50 Jahren. Dennoch stelle sich die Frage, ob und wie Klima- und Umweltschutz politisch umgesetzt werde. Der BUND könne dabei laut Anderl eine wichtige Scharnierfunktion zwischen sozialer Bewegung und Politik einnehmen. Dass es den BUND in 50 Jahren noch geben wird, da ist Jörg Nitsch sich sicher: „Die Themen werden uns nicht ausgehen.“
Pressemitteilung BUND: https://s.epd.de/406r