Der Klimawandel führt zunehmend zu Wetterextremen. Angesichts Rekordhitze und Trockenheit fordern Forschende mehr Engagement beim Klimaschutz in Deutschland.
Hamburg, Offenbach (epd). Der Klimawandel geht in eine klare Richtung: mehr Hitzewellen, Trockenheit, Extremwetter. „Jetzt brauchen wir eine klare Politik, die dagegenhält“, sagte Meteorologe und Autor Sven Plöger beim 16. Extremwetterkongresses in Hamburg, der bis 24. September läuft. Vor allem von Lobbygruppen werde die eigene Verantwortung für den Klimawandel angezweifelt. „Beim Spiel Klimavernunft gegen Realitätsverweigerung steht es gerade gefühlt 1:3“, sagte Plöger. Das Gute sei, dass Spiele gedreht werden könnten. Plöger: „Jetzt geht es darum, nicht aufzugeben.“
Es sei traurig, dass die Opfer der Klimakrise offenbar einfach hingenommen würden, sagte der Meteorologe. Geschätzt 16.000 Menschen seien im Zuge der diesjährigen Hitzewellen in Deutschland gestorben. Es sei „ein stilles Sterben“. Zum Vergleich: Bei der Überschwemmung 2021 im Ahrtal gab es 184 Tote. „Wenn wir diese Opferzahlen hochrechnen, hatten wir in diesem Sommer 87 Flutkatastrophen“, sagte Plöger.
Zusammenarbeit mit Wirtschaft
Der vernünftige Menschenverstand sage, dass beim Klima gerade die Rahmenbedingungen für ein einigermaßen entspanntes Leben auf diesem Planeten kippen. „Es wäre vernünftig, das zu vermeiden“, sagte Plöger. Dafür müssten Zweifel und Unsicherheiten bei Menschen beseitigt, die Kommunikation verbessert und auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft enger werden.
Laut UN-Weltorganisation für Meteorologie war der August 2026 global der wärmste seit Beginn der Messungen. Große Waldbrände in Europa und Rekordniedrigwasser in vielen Flüssen ließen die Zukunft des Wetters in Europa für die kommenden Jahrzehnte erahnen, hieß es auf dem Kongress. Durch den Klimawandel hätten Hitzewellen und Trockenheit in Deutschland deutlich zugenommen. Die Forschenden fordern mehr Tempo bei der Energiewende, im Klimaschutz und bei Klimaanpassungen.
Belastung für Gesellschaft
„Die außergewöhnliche Hitzewelle im Juni, begleitet von intensiver Trockenheit, hatte schmerzhafte Folgen: Große Waldbrände und eine hohe Zahl an Hitzetoten“, sagte Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit Sitz in Offenbach. Ende Juni wurden Temperaturen von bis zu 41,8 Grad Celsius gemessen. Gab es laut DWD in Deutschland in den 1950er Jahren rund drei heiße Tage pro Jahr mit Lufttemperaturen von mindestens 30 Grad Celsius, habe sich diese Zahl kontinuierlich auf zwölf Tage pro Jahr vervierfacht.
Fuchs: „Es ist gut möglich, dass wir in 30 Jahren zurückblicken und feststellen, dass der Sommer 2026 trotz seiner rekordverdächtigen Temperaturen noch einer der kühleren war.“ Durch Hitze und Trockenheit entstünden enorme Belastungen für die Gesellschaft, etwa im Gesundheitswesen oder in der Land- und Forstwirtschaft. Städte seien besonders von Hitze betroffen.
Hitzewellen im Meer
Die steigenden Temperaturen reichen bis weit in das nördliche Polarmeer. „Die Arktis ist weltweit die Region, die sich am schnellsten erwärmt“, sagte Gesine Mollenhauer, Vizedirektorin am Alfred-Wegener-Institut. Während im Sommer die westliche Arktis noch eine kompakte Eisbedeckung hatte, waren es im östlichen Teil eher lockere Eisschollen. „In der Antarktis setzt sich die kurzzeitige Erholung der letzten zwei Jahre nicht fort. Die Eisausdehnung stagniert auf dem drittniedrigsten Niveau im Winter“, sagte Mollenhauer.
Studien belegen, dass Hitzewellen im Meer zunehmen, Wasserstände und Sturmfluten an Küsten steigen. Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) war die Nordsee im vergangenen Jahr so warm wie nie, an 66 Tagen gab es bereits in diesem Jahr sogenannte marine Hitzewellen vor Helgoland. Die Forschenden erwarten bis zum Jahr 2100 mehr Extremwasserstände in der Deutschen Bucht. BSH-Präsident Helge Heegewaldt: „Wir müssen heute die richtigen Entscheidungen für morgen treffen - für das Klima, die Meere und vor allem für uns.“
www.extremwetterkongress.org