Jüdische Akademie soll "Haus der Zukunft" sein
s:57:"Gründungsdirektoren der Jüdischen Akademie in Frankfurt";
Gründungsdirektoren der Jüdischen Akademie in Frankfurt, Doron Kiesel (li.) und Sabena Donath

Vergewisserung nach innen und Stärkung nach außen: Vertreter des Judentums äußerten in der ersten Diskussionsrunde der Jüdischen Akademie Wünsche an das neu eröffnete Haus.

Frankfurt a.M. (epd). In der am 2. November eröffneten Jüdischen Akademie in Frankfurt am Main stellte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Benjamin Graumann, zu Beginn gleich eines fest: „Gegen Antisemitismus zu arbeiten, ist nicht Aufgabe der Akademie“, sagte das Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland auf dem ersten Podiumsgespräch am 3. November. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aber die Akademie kann dabei helfen.“ Das sei bitter nötig: Mehr als 80 Prozent der Jüdinnen und Juden in Deutschland beurteilten ihre Situation pessimistisch. Seit dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem Erstarken des Antisemitismus sei das Leben von Juden in Deutschland „so gefährdet wie nie zuvor und gleichzeitig so bunt und vielfältig wie nie zuvor“.

An der Akademie solle es daher nicht nur um Antisemitismus und Israel gehen, sondern auch um jüdische Kultur, Wissenschaft, Humor und Optimismus, sagte Graumann. Jüdische Menschen hätten ein Bedürfnis nach Orten, die sicher seien und an denen sie gehört würden. „Die Akademie wird nicht nur ein safe space (sicherer Ort), sie wird auch ein brave space (mutiger Ort) sein“, sagte er. Hier dürfe man sich trauen, auch kritische Themen anzusprechen. Der Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Ron Dekel, nannte solche Themen. Im Blick nach außen gehe es darum, fortwährend vorgebrachte negative Fremdzuschreibungen wie „Du Zionist!“, die auf Schmierereien in Hochschultoiletten mit Mordaufrufen verbunden seien, wieder positiv zu besetzen.

„Nicht einschüchtern lassen!“

„Wichtig ist, dass Juden sich nicht von einem gesellschaftlichen Klima einschüchtern lassen“, betonte Dekel. So hätten jüdische Studierende im vergangenen Herbst an der TU Berlin Räume des AStA besetzt, um gegen antisemitische Parolen auf dem Campus und im AStA zu protestieren. An die jüdische Gemeinschaft gerichtet gehe es etwa um die strittige Frage, ob das Judesein auch mit der Abstammung von einem jüdischen Vater definiert werden könne. Die jüdische Gemeinschaft müsse sich selbst stärken, dazu könne die Akademie einen Beitrag leisten. Dabei sollten sich konservative und linke jüdische Stimmen äußern können.

Die bodentiefen Fensterfronten der Akademie zur Straße hin machten deutlich, dass das Haus „kein closed shop (geschlossener Laden), sondern eine öffentliche Veranstaltung“ sei, sagte der Co-Direktor Doron Kiesel. Die Akademie wolle in der Gesellschaft Gruppen ausfindig machen, die sie stärken könne, so wie Lehramtsstudierende. Sie sollten mit dem Judentum nicht nur den Holocaust verbinden, sondern auch das gegenwärtige Leben. Allerdings sei es eine „extrem schmerzhafte Erfahrung, dass Bildung an Grenzen stößt“.

„Akademie ist ein Hoffnungsträger“

Die Akademie wolle auch für jüdische Kulturschaffende und Studierende da sein, die „in bestimmten aktivistischen Kreisen nicht mehr sicher sind“, fügte die Co-Direktorin Sabena Donath an. Graumann fasste für die jüdische Gemeinschaft zusammen: „Die Akademie ist ein Hoffnungsträger!“

www.juedischeakademie.de

Von Jens Bayer-Gimm (epd)