Emder Bibliothek erforscht Vorläufer der Aufklärung
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In der Sammlung der Johannes a Lasco Bibliothek finden sich kiloschwere Folianten und kleinste Bücher für die Handtasche

In den kommenden 21 Jahren kann die Emder Johannes a Lasco Bibliothek den Briefwechsel der führenden Gelehrten des 16. bis 18. Jahrhunderts erforschen. Die sogenannten „Sozinianer“ gelten als Vorläufer der Aufklärung in Europa.

Emden, Gießen (epd). Ein Forschungsprojekt der Emder Johannes a Lasco Bibliothek wird in den kommenden 21 Jahren mit insgesamt vier Personalstellen gefördert. Für das „Sozinianer-Projekt“ sollen die historischen Briefwechsel und Manuskripte führender Gelehrter aus der Zeit um 1550 bis 1750 editiert und für die Wissenschaft digital erschlossen werden, sagte der wissenschaftliche Vorstand der Bibliothek, Kestutis Daugirdas, am 6. Januar in Emden. Finanziert werden die Stellen vom Bund und den Ländern Niedersachsen und Hessen. Drei Stellen sind direkt in Emden angesiedelt, eine vierte an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen.

Mit der Bewilligung wirkt die Bibliothek Daugirdas zufolge mit am größten geistes- und sozialwissenschaftlichen Langzeit-Forschungsprogramm Deutschlands. Das Programm gelte als weltweit einzigartig und fördere Forschungen zu bedeutsamen Kulturerbe-Themen von Weltrang.

Vorläufer der Aufklärung

Unter dem Begriff „Sozinianismus“ werden laut Daugirdas Ideen verstanden, die entscheidend die Aufklärung mit vorbereitet haben. Kritisches Denken, Toleranz und wissenschaftliche Vernetzung seien dabei von großer Bedeutung gewesen. Die Sozinianer beschäftigten sich mit Fragen der Theologie, Philosophie, Philologie, Astronomie und Politik. Auch die berühmten britischen Gelehrten Isaac Newton (1643-1727) und John Locke (1632-1704) beteiligten sich an den sozinianischen Briefwechseln durch ganz Europa. Benannt wurden die Sozinianer nach dem nach Polen ausgewanderten Italiener Lelio Sozzini (1525-1562) und seinem Neffen Fausto (1539-1604).

Bibliothek gilt als wichtigste Sammlung des reformierten Protestantismus

Die Johannes a Lasco-Bibliothek ist eine geisteswissenschaftlich und theologisch ausgerichtete Spezialbibliothek. Benannt wurde sie nach dem aus Polen stammenden Reformator Johannes a Lasco (1499-1560), der zwischen 1542 und 1549 in Emden wirkte. Unter Experten gilt die von einer Stiftung getragene Bibliothek als eine der weltweit wichtigsten Sammlungen zum reformierten Protestantismus. Ihr Bestand geht auf das Archiv und die seit 1559 bestehende Büchersammlung der evangelisch-reformierten Gemeinde Emden zurück.

www.jalb.de

www.sozinianer.de