Oberkirchenrat Florian Baier leitet in der bayerischen Landeskirche die Abteilung „Gemeinden und Kirchensteuer“. Er verantwortet die Neufassung des Kirchengemeindestruktur-Gesetzes, über das die Landessynode bei ihrer Herbsttagung in Amberg (22.-25.11.) beschließt. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erklärt der Jurist, worum es geht.
epd: Herr Baier, eine Säule der Strukturreform der bayerischen Landeskirche, über die die Landessynodalen in Amberg beraten, ist die Einführung von Regionalgemeinden. Was ist der Zweck?
Florian Baier: Regionalgemeinden sollen den darin zusammengefassten Kirchengemeinden einen Rahmen bieten, den kirchlichen Auftrag in der Region solidarisch zu gestalten und sich vor allem bei der Verwaltungs- und Gremienarbeit zu entlasten. Bislang muss beispielsweise jeder Kirchenvorstand einen Haushalt erstellen, über Bau- und Personalsachen diskutieren. Ich war selbst einige Jahre im Kirchenvorstand und weiß: Das ist oft eine große Belastung. Denn viele Menschen kandidieren für den Kirchenvorstand, weil sie das Gemeindeleben inhaltlich voranbringen wollen.
Man muss sich auch vor Augen führen: Die Mehrheit der rund 1.500 Kirchengemeinden in Bayern hat durchschnittlich weniger als 900 Mitglieder - und die Zahlen werden weiter zurückgehen. Eine solche kleinteilige Verwaltung kostet sehr viel Geld: Manche unserer Verwaltungsstellen müssen 100 Gemeindehaushalte begleiten, mit 100 Ansprechpartnern telefonieren, 100-mal Änderungen erbitten. Mithilfe von Regionalgemeinden lässt sich das deutlich reduzieren.
Ortsgemeinde bleibt identitätsstiftend
Angesichts dessen, was andere Landeskirchen machen und was zum Teil auch bei uns diskutiert wurde, muss ich sagen: Wir legen hier ein sehr maßvolles Kompromisspapier vor, das gut auf die Herausforderung von Kirche reagiert. Statt alles laufen zu lassen, bis unsere Struktur implodiert, nutzen wir jetzt mutige Reformen zur Anpassung, damit wir unseren kirchlichen Auftrag weiter mit Leben füllen können.