Mit Blick auf die weiter steigende Zahl von Pflegebedürftigen mahnt der Sozialverband VdK NRW mehr Tempo bei der Pflegereform an. Dass die vom Bund eingesetzte Pflegekommission erst Ende August Ergebnisse vorgelegen solle, könne angesichts der Entwicklung nicht richtig sein, kritisierte der VdK-Landesvorsitzende Horst Vöge in Düsseldorf. Besonders alarmierend sei, dass bereits heute viele Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind. Vöge sprach von einen „politischen Offenbarungseid“.
Besonders dramatisch sei die Situation in stationären Einrichtungen, hieß es. Mehr als 41 Prozent der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner seien auf Hilfe zur Pflege angewiesen. Für viele Betroffene seien die hohen Eigenanteile aus eigener Kraft nicht mehr zu stemmen. Der VdK fordere daher rasche Maßnahmen zur Stabilisierung der Pflegeversicherung und zur Begrenzung der Eigenanteile.
Die aktuellen Daten zur Ausbildungssituation in der Pflege 2025 bestätigten die Dringlichkeit, so der Sozialverband. Zwar sei die Zahl der Auszubildenden in der Pflege leicht gestiegen, reiche aber bei weitem nicht aus, um den wachsenden Fachkräftebedarf zu decken. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes befanden sich zum Jahresende 2025 gut 41.000 Personen in der beruflichen Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann, rund acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Modellrechnung: 2050 ist fast jeder zehnte NRW-Bürger pflegebedürftig
Nach der aktuellen Pflegemodellrechnung für NRW werden bis zum Jahr 2050 knapp 1,7 Millionen Menschen pflegebedürftig sein, wie das Statistische Landesamt in Düsseldorf mitteilte. Gegenüber 2023 bedeute das einen Anstieg um 21 Prozent. Während 2023 etwa 7,6 Prozent der Bevölkerung pflegebedürftig waren, steige der Anteil bis 2050 auf 9,6 Prozent.
Nach Angaben der Statistiker werden dabei die Zuwächse in den Kreisen stärker ausfallen als in den kreisfreien Städten. Die höchsten Zuwächse bei der Zahl der Pflegebedürftigen werden in den Kreisen Coesfeld (+46 Prozent), Borken (+45 Prozent) und Paderborn (+43 Prozent) erwartet. Den geringsten Anstieg werde es voraussichtlich in den kreisfreien Städten Hagen, Gelsenkirchen und Herne mit jeweils rund sieben Prozent geben.
Grundlage für die Pflegemodellrechnung sind den Angaben zufolge Ergebnisse der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung sowie Daten der amtlichen Pflegestatistik und der Bevölkerungsfortschreibung. Die Berechnungen basierten auf der Annahme konstanter Pflegequoten, hieß es.