Die globalen Wege des Mülls: neue Kunstausstellung im Dortmunder U
s:67:"Die globalen Wege des Mülls: neue Kunstausstellung im Dortmunder U";
Die globalen Wege des Mülls: neue Kunstausstellung im Dortmunder U
Dortmund (epd).

Städte aus Elektroschrott, Blumen geformt aus alten Kabeln und Kupferdraht, prall gefüllte Müllsäcke, die an der Wand hängen - in der neuen Ausstellung im Museum Ostwall im Dortmunder U dreht sich alles um Müll. „Uns war wichtig, in der Ausstellung eine Vielfalt zum Thema Müll darzustellen“, sagt Christina Dahnick, eine der beiden Kuratoren. Die Ausstellung zeige auch die Entwicklung der Kunst zu diesem Thema.

Die Exponate reichen von aktuellen Arbeiten bis in die 1960er Jahre zurück. „In den 60er Jahren war die Kunst zum Thema Müll eher aktionistisch und ging in Richtung des Aktivismus.“ So zeigt die Ausstellung Fotografien einer Aktion des Künstlers HA Schult aus dem Jahr 1969, in der er tonnenweise Müll auf eine Straße in einem Münchener Wohngebiet gekippt hat. „Dafür wurde er damals sogar verhaftet“, erzählt Michael Griff, zweiter Kurator der Ausstellung. Der Künstler habe mit dieser Aktion die Konsumgesellschaft kritisieren und das Stadtbild stören wollen.

Deponie als Utopie

Etwas später, in den 70er und 80er Jahren, beschäftigten sich viele Künstler mit großen Lagerstätten. „Einige Künstler wie Nancy Holt und Anna Zett haben sich mit der Mülldeponie als Utopie beschäftigt“, sagt Griff. Die Ausstellung zeigt unter anderem Skizzen von Nancy Holt mit dem Titel „Sky Mound“, die sich mit der Rekultivierung einer Mülldeponie in New Jersey befassen. „Holt wollte dort ein Observatorium schaffen, an dem Himmel und Erde sich treffen“, erklärt Griff. Ein von ihr entworfener See wurde laut Griff sogar realisiert, eine weitere Umsetzung ihrer Pläne scheiterte allerdings an der Finanzierung.

Die globalen Wege des Mülls

In der Ausstellung wollen die beiden Kuratoren durch die Kunstwerke auch auf die globalen Wege des Mülls aufmerksam machen. „Für viele Menschen sind diese Wege unsichtbar: Man schmeißt den Müll in die Tonne, er wird abgeholt und ist weg. Aber das ist er nicht. Stattdessen geht er um die halbe Welt und landet meistens im globalen Süden oder im Meer“, sagt Christina Dahnick.

Mehrere der Kunstwerke greifen deshalb die Thematik der Müllkreisläufe auf. Zwei davon sind Auftragsarbeiten, die extra für die Ausstellung geschaffen wurden, wie etwa „Obsolete Swing“ von Künstlerin Ana Alenso zu Kreisläufe von Edelmetallen. „Ich war in einer Goldmine in Ghana, in der Rohstoffe für Elektronik abgebaut werden. Da ist mir aufgefallen, dass viel von unserem Elektroschrott am Ende auch wieder in Ghana landet.“

Alensos Kunstwerk besteht unter anderem aus Metallschrott, alten Schläuchen und Computerlaufwerken. Über ein Laufband werden alte Mobiltelefone transportiert, in der Mitte der Installation sind Golfschläger montiert. „Es wirkt zuerst absurd, aber bei meiner Recherche habe ich erfahren, dass viele Golfplätze auf alten Deponien gebaut wurden.“ Deshalb habe sie die Golfschläger integriert, auch, wegen des Kontrastes, „weil Golf ja eher ein elitärer Sport ist“.

Science-Fiction-Stadt aus Elektroschrott

Die zweite Auftragsarbeit ist vom ghanaischen Künstler Akwasi Bediako Afrane. Er hat in seiner Installation „TC-2000“ eine futuristische Stadt aus Elektroschrott geschaffen. PC-Bildschirme, Festplatten und alte CD-Rom-Laufwerke bilden eine weit in die Höhe reichende Stadt, die von einer Modelleisenbahn umrundet wird. Besucher können Platz nehmen und mithilfe einer Augmented Reality Brille in die Modelleisenbahn einsteigen und virtuell die Stadt umfahren.

„Erst, wenn man sich auf einen der Stühle setzt, erwacht die Stadt zum Leben“, erklärt Afrane. Dann beginnen die Bildschirme der Science-Fiction-Stadt zu blinken und zu leuchten. „Meine Idee war es, zu zeigen, dass elektronische Geräte nicht alleine existieren können. Erst, wenn wir sie aktiv benutzen, werden sie lebendig.“

Direkt neben Afranes Science-Fiction-Stadt befindet sich eine weitere Stadt aus Müll. Kristof Kintera hat in seinem Kunstwerk „Postnaturalia“ eine Stadt aus Objekten gebaut, die im Städtebau übrig bleiben, wie etwa alte Ampeln oder Laternen. Hier finden sich auch Blumen und Bäume aus alten Kabeln und Kupferdrähten.

Die „Olchis“ führen Kinder durch die Ausstellung

Die Ausstellung richtet sich laut Museum Ostwall nicht nur an Erwachsene, sondern auch an Familien mit Kindern ab drei Jahren. Dafür hat Autor und Illustrator Erhard Dietl exklusive Zeichnungen seiner „Olchis“ angefertigt, die die Kinder durch die Ausstellung führen. Die Olchis sind kleine grüne Wesen, die auf einer Mülldeponie wohnen und sich von Müll ernähren. Außerdem sind während der Ausstellung mehrere Workshops geplant. Zum Beispiel wird es zwischen dem 18. April und dem 13. Juni samstags ein Repair- und Näh-Café geben. Ehrenamtliche Mitarbeiter aus Dortmunder Reparaturinitiativen helfen laut Museum Ostwall Besuchern bei der Reparatur kaputter Gegenstände.

Von Nadia Gering