Der scheidende Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland, Frank-Matthias Hofmann, wirbt für einen interreligiösen Rat im Saarland. Ein solches Gremium mache deutlich, „dass sich die Religionen gemeinsamen ethischen Standards verpflichtet sehen und einen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten wollen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Denn die Religionen müssen sich untereinander auf ein einheitliches Votum verständigen.“ Ein solches Gremium könnte etwa am Landtag oder der Staatskanzlei angedockt sein.
Als Beispiel nannte der 67-jährige Theologe das Schweizer Kanton Sankt Gallen: Die Kantonsregierung habe einen solchen Rat einberufen, der sich mit gesellschaftspolitischen und ethischen Themen auseinandersetze und den Kanton berate. „Bei rein religiösen Fragen ist der Staat wieder raus, da dann das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften greift“, unterstrich er. „So ein Gremium könnte auch in die Gesellschaft ausstrahlen: Schaut her, wenn wir es schaffen, uns in polarisierten Zeiten zu einigen, dann ist Verständigung generell möglich.“
Evangelischen Kirchenleitungen für interreligiösen Rat
„Da wir im Saarland schon alle eng zusammenarbeiten, könnte ich mir das gut vorstellen“, erläuterte er mit Blick auf den gemeinsamen Vorschlag von Christen, Muslimen und Juden für einen Gottesbezug in der Präambel der saarländischen Verfassung. „Das Land könnte den Rat einsetzen und ihm bestimmte Aufträge geben.“ Ein mögliches Thema wären etwa ethische Standards am Anfang und Ende des Lebens. „Die evangelischen Kirchenleitungen in Düsseldorf und Speyer jedenfalls befürworten dies“, unterstrich Hofmann.
Hofmann ist seit 2006 Beauftragter im Saarland. Er wird am 28. April in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist der bisherige Ludwigskirchenpfarrer Thomas Bergholz. Das Evangelische Büro pflegt die Verbindungen der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche der Pfalz zu Landtag und Landesregierung. Der Beauftragte hält Kontakt zu den politischen Parteien sowie zu Vereinigungen und Verbänden und vertritt die Interessen und Positionen der evangelischen Kirchen gegenüber der Politik.