Die internationale Kirchengemeinschaft Vereinte Evangelische Mission (VEM) hat die Visapolitik der deutschen Botschaften scharf kritisiert. VEM-Mitarbeitende, Partnerschaftsengagierte und junge Freiwillige aus Afrika und Asien hätten regelmäßig mit großen Problemen zu kämpfen, erklärte die VEM in Wuppertal. Dazu zählten etwa Wartezeiten von bis zu einem Jahr auf eine Visumentscheidung, monatelange Kämpfe um Botschaftstermine und willkürlich wechselnde Anforderungen von Land zu Land.
Pfarrerin Félicité Ngnintedem, Leiterin der Division Global Program und Vorstandsmitglied der VEM, versuche beispielsweise seit über eineinhalb Jahren, ihren Ehemann und ihren zehnjährigen Sohn aus Kamerun nach Deutschland nachzuholen, hieß es. Die von der deutschen Botschaft in Jaunde zunächst angeforderten Dokumente - darunter Geburtsurkunden - seien fristgerecht vorgelegt worden. Daraufhin habe die Botschaft zusätzlich für eine eigene Überprüfung der Dokumente des Ehemanns rund 600 Euro verlangt, außerdem einen DNA-Test des Sohnes als Nachweis für die Abstammung von der Mutter.
Auch Freiwilligenprogramme und Partnerschaftsarbeit betroffen
Auch das Freiwilligenprogramm der VEM und die kirchliche Partnerschaftsarbeit leiden nach Angaben des Kirchenbündnisses unter einer restriktiven Visapolitik. Seit Jahren könnten keine jungen Freiwilligen mehr aus Kamerun oder Sri Lanka am Süd-Nord-Austausch der VEM teilnehmen, weil die Botschaften ihre Rückkehrabsicht anzweifelten. Für Partnerschaftsvisa aus Namibia und Tansania würden von einladenden deutschen Kirchenkreisen Kautionen in Höhe von mehreren tausend Euro verlangt, bevor Partnerschaftsengagierte einreisen dürften.
Die VEM forderte grundlegende Änderungen der deutschen Visapraxis. Wer Fachkräfte aus aller Welt gewinnen und internationale Beziehungen pflegen wolle, dürfe Menschen nicht mit bürokratischen Hürden, Misstrauen und entwürdigenden Verfahren konfrontieren: „Gerechtigkeit, Würde und die Bereitschaft zur echten Begegnung dürfen nicht vor dem Eingangstor der deutschen Botschaft enden.“
Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) ist eine internationale Gemeinschaft von 32 evangelischen Kirchen in Afrika und Asien sowie sechs deutschen EKD-Kirchen und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.