Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die weltweit keinen Zugang zu Bildung haben, ist im siebten Jahr in Folge gestiegen. So haben im Jahr 2024 rund 273 Millionen Minderjährige keine Schule besucht, wie der veröffentlichte Unesco-Weltbildungsberichts unter dem Titel „Access and Equity“ (Zugang und Chancengerechtigkeit) feststellt. Laut der Deutschen Unesco-Kommission in Bonn wurde damit durchschnittlich jeder sechste Minderjährige von Bildung ausgeschlossen. Die Unesco warnt vor einer wachsenden Bildungsungerechtigkeit.
Weiteres Problem: Nur zwei von drei Jugendlichen schlossen in dem Jahr eine Sekundarschule ab. Hauptgründe sind laut dem Bericht Bevölkerungswachstum, Krisen und sinkende Bildungsetats. Besonders dramatisch sei die Situation in Regionen, die von Konflikten betroffen sind. Dort lebt mehr als jedes sechste Kind weltweit - oft unter Bedingungen, die den regelmäßigen Schulbesuch stark erschweren oder unmöglich machen. Das bedeutet, dass Millionen weiterer Kinder keine Schule besuchen können, was in offiziellen Statistiken aber gar nicht erfasst wird.
Deutsche Unesco-Kommission spricht von einem „Weckruf“
Als „Weckruf“ bezeichnete die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, den Weltbildungsbericht. Auch für Deutschland zeige er die Probleme auf. „In Deutschland erreicht weiterhin ein erheblicher Teil der Jugendlichen keinen Abschluss der Sekundarstufe II oder einen Berufsabschluss.“ Es sei eine Aufgabe der Politik, Schulen mit besonderen Herausforderungen zu unterstützen - etwa im Rahmen des „Startchancen-Programms“. „Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht von selbst - sie ist eine politische Aufgabe.“
Gleichwohl macht die UN-Bildungsorganisation in ihrem Bericht deutlich, dass Fortschritte möglich sind: So ist zwischen 2000 und 2024 die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Primar- und Sekundarschulen auf weltweit 1,4 Milliarden gestiegen. Das bedeute einen Zuwachs von 30 Prozent.
Laut dem Bericht sollten in den Staaten politische Strategien verfolgt werden, die benachteiligte Gruppen gezielt erreichen und Bildung gerechter finanzieren. Zwar hätten deutlich mehr Staaten in den vergangenen 25 Jahren finanzielle Umverteilungsmechanismen im Bildungsbereich eingeführt, doch selten sei der Fokus auf die benachteiligten Gruppen auch ausreichend.