Für das Storchenjahr 2026 sind Ornithologen mittlerweile optimistisch. Nach dem sehr trockenen Frühjahr hätten die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Tage der Natur gutgetan und vielerorts die Wasserstrände von Bächen, Tümpeln und des Grundwassers steigen lassen, sagte der Geschäftsführer der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg in Sachsen-Anhalt, Michael Kaatz, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Wichtig ist, dass wir in den nächsten sechs Wochen wechselhaftes Wetter bekommen. Das fördert das Nahrungsspektrum während der Kükenaufzucht“, sagte der Storchenexperte. Das gelte für alle Regionen in Ost- und Norddeutschland, wo der Weißstorch mittlerweile wieder in großer Zahl sesshaft geworden sei.
Das trockene Frühjahr hätte den Bestand noch nicht gefährdet, so Kaatz. In diesen Tagen schlüpften die meisten Küken. Und damit steige der Futterbedarf der Störche enorm. Immer wieder sei zu beobachten, dass Störche einzelne Jungtiere aus dem Nest wirft, wenn das Nahrungsangebot zu knapp ist, sagte Kaatz.
Storchennester fast alle besetzt
Vielerorts seien dieses Jahr fast alle Nester mit Störchen besetzt. „Es scheinen auch viele junge Störche unterwegs zu sein, die einen Brutversuch starten, während mancherorts ältere Störche ausgeblieben sind“, sagte Kaatz. Diese Beobachtung sei in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und anderen Storchengebieten gemacht worden. Die Ornithologen vermuteten, dass das mit den Vogelgrippe-Ausbrüchen im Winter in Spanien zusammenhängen könnte. Die jüngeren Störche kompensierten so den Ausfall der älteren.
Neben Krankheiten und den Anstrengungen der Reise würden jedes Jahr auch Störche im Autoverkehr oder durch Stromschlag auf unzureichend isolierten Masten oder an Hochspannungsleitungen verenden. Laut dem Storchenexperten ist das Sterberisiko auf dem Vogelzug etwa 15-fach höher als im Brutgebiet.
Erfreuliche Entwicklung des Storchenbestandes
Mittlerweile würden auch tausende Weißstörche in Deutschland überwintern. „Sie meiden den langen und strapaziösen Vogelzug in die Winterquartiere auf die iberische Halbinsel oder nach Afrika“, sagte der Vogelkundler. Das habe in erster Linie mit dem Klimawandel zu tun. Das wechselhafte Wetter ermögliche zunehmend ein auskömmliches Nahrungsangebot hierzulande.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich der deutsche Storchen-Bestand sehr erfreulich entwickelt, sagte Kaatz. Die Bestände im Osten hätten sich von rund 2.800 Paaren im Jahr 2004 auf 3.600 Paare im Jahr 2024 erhöht. Im gleichen Zeitraum stiegen die westdeutschen Bestände von 885 auf mittlerweile 9.950 Paare.