Der Kranichbestand in Sachsen-Anhalt ist im Vorjahr deutlich angestiegen. 2025 wurden landesweit 1.327 Kranichpaare gezählt, mehr als 20 Prozent mehr als die 1.100 Paare des Jahres 2024, sagte der Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz, Axel Schonert, auf der Landeskranichtagung in Rätzlingen im Drömling. Erfreulich sei, dass im Vorjahr 180 Brutplätze neu hinzugekommen seien. Doch das zu trockene Frühjahr habe dazu geführt, dass viele Nester für Raubtiere erreichbar waren und deshalb nur 159 Jungvögel über den Sommer kamen. 2024 hatten die Ornithologen noch 224 Jungvögel in Sachsen-Anhalt gezählt.
Die Kranichschützer gehen davon aus, dass der Klimawandel mit dazu beiträgt, dass die scheuen Vögel immer neue Brutreviere eroberten und mittlerweile auch im Harz brüten. Während die Zahl der Brutpaare in den vergangenen zehn Jahren in Sachsen-Anhalt von 430 auf 1.327 rasant angewachsen sei, blieb hingegen die Zahl der Jungvögel nahezu konstant: 158 im Jahr 2015 zu 159 im Jahr 2025, sagte Ornithologe Schonert. Deshalb gehe er davon aus, „dass viele der neuen Brutpaare aus Polen oder dem Baltikum gekommen sind.“
Kranichland Altmark und Wittenberg
Allerdings ist die Verbreitung der Kraniche im Land sehr unterschiedlich: Die meisten „Glücksvögel“ hätten die ehrenamtlichen Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft in den Landkreisen Wittenberg (321 Paare), Stendal (248) und Salzwedel (162) gezählt. Auch in den Landkreisen Jerichower Land (140 Paare), Bördekreis (138) und Anhalt-Bitterfeld (136) seien die Kraniche mittlerweile weitverbreitet, hieß es. Hingegen böten die Landkreise Harz (12 Paare), Mansfeld-Südharz (17), der Burgenlandkreis (18) sowie die Städte Magdeburg (6) und Halle (10) noch Ansiedlungspotenzial.
Auf der anderen Seite sei Sachsen-Anhalt auch ein wichtiger Rastplatz für durchziehende Vögel. Besonders der Helmestausee bei Kelbra südlich des Harzes sei hier zu nennen. Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz wurden dort Anfang Oktober etwa 55.000 Kraniche gezählt.
Katastrophe Geflügelpest
Jedoch hatte das Kranichjahr 2025 mit einer Katastrophe geendet: Im Oktober und November habe die hoch ansteckende Geflügelpest wohl 50.000 europäische Kraniche dahingerafft, sagte der Geschäftsführer von Kranichschutz Deutschland, Günter Nowald.
Die ersten Todesfälle mit dem H5N1-Virus seien am 4. Oktober in Mecklenburg-Vorpommern und etwa zehn Tage später im Linumer Bruch bei Berlin festgestellt worden. Etwas zeitversetzt hätte es auch in Sachsen-Anhalt sowie in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen die ersten toten Kraniche gegeben. Interessanterweise mieden danach andere Schwärme die betroffenen Gewässer und wichen auf sonst wenig genutzte Rastplätze aus, ergänzte Nowald.
Allein in Sachsen-Anhalt seien etwa 6.500 tote Kraniche erfasst worden. Allerdings scheint es, dass die meisten Todesfälle Durchzügler aus Norddeutschland oder den Ostseeanrainerstaaten gewesen seien, sagte Kranichfachmann Schonert. Gewissheit werde erst die Brutplatzzählung durch viele ehrenamtliche Kranichschützer in den kommenden Wochen bringen.