Von Kindesbeinen an ist Michael Kaatz mit Störchen aufgewachsen. „Ich war begeistert davon, etwas zum Schutz dieser schönen Vögel und zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen“, erzählt der heutige Geschäftsführer der Vogelschutzwarte im sachsen-anhaltischen Loburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Vater Christoph hatte den Storchenhof 1979 gegründet und im heimischen Garten „verletzte Störche gepflegt, gehegt und möglichst wieder ausgewildert“.
In den 1970er Jahren war der Weißstorch vielerorts kaum noch anzutreffen. Auch in Loburg, wo heute gut ein Dutzend Nester von Adebar besetzt sind, gab es damals keinen einzigen Storch. Deshalb war die Errichtung einer Nisthilfe auf dem Stalldach eines der ersten Projekte. Und die Freude war nicht nur bei Michael groß, als 1980 wirklich Störche einflogen und seitdem jedes Jahr erfolgreich nisteten.
Bewahrung der Schöpfung als Motivation
Ein erwachsener Storch benötigt täglich etwa 500 bis 700 Gramm Nahrung. Statistisch muss er dazu etwa 15 Mäuse, 20 Frösche oder rund 600 Regenwürmer fangen. Deshalb ist es besonders während der Jungenaufzucht wichtig, dass sich in direkter Umgebung des Nestes geeignete Feuchtbiotope, Wiesen oder Äcker befinden, verdeutlicht Kaatz die Notwendigkeit einer naturnahen Umwelt.
Doch nicht nur die Liebe zu den Tieren hat „Storchenvater“ Christoph Kaatz an seinen Sohn vererbt. „Mein Vater war mir auch in Glaubensfragen ein gutes Vorbild“, erinnert sich Michael Kaatz. So lernte er das tägliche Gebet und den Dank an den Schöpfer für die wunderbare Natur. Bis heute habe sein Vater keine Scheu, diesen Glauben „auch und gerade vor Menschen, die dem Glauben fernstehen, zu bekennen“, erzählt Kaatz.
Forschung für Meister Adebar
In der turbulenten Wendezeit, mit Armeedienst und beruflicher Orientierung, hätten ihm „das Christliche“ und die Familie Halt gegeben, sagt der heute 55-Jährige. Schließlich ging er nach Rostock, um Landeskultur und Umweltschutz zu studieren. In dieser Zeit fragte das Max-Planck-Institut aus Radolfzell am Bodensee an, ob die Loburger Störche mit Sendern ausstatten würden. „Es ging um die Erforschung der Zugwege von Störchen mittels Satellitentelemetrie“, erläutert Kaatz: „Die damals neue Technik ermöglicht völlig neue Einblicke.“ Und ganz nebenbei hatte der Diplom-Ingenieur damit ein Thema für seine Doktorarbeit.
Der Weißstorch gilt als einer der am besten erforschten Vögel. Und doch finden die Wissenschaftler immer noch etwas Neues heraus. So sei es einem Storch gelungen, das Mittelmeer an der breitesten Stelle zu überfliegen, erzählt Kaatz. Ein anderer Storch sei im Herbst der Ostroute über Israel nach Afrika gefolgt, aber im Frühjahr auf der Westroute über Spanien ins Brutgebiet zurückgekehrt.
Mika blieb trotz Schnee in Loburg
Auf dem Storchenhof in Loburg wurden seit 1979 insgesamt 2.204 Weißstörche und 32 Schwarzstörche gepflegt und zu 70 Prozent auch erfolgreich ausgewildert. Zudem haben sich die Ornithologen aber auch um 757 verletzte Greifvögel und hunderte weitere Vögel gekümmert - für den Geschäftsführer und sein Team vom Storchenhof eine sehr erfüllende Arbeit.
Michael Kaatz hat selbst bereits mehr als 200 Weißstörche mit Sendern bestückt. Im vergangenen Jahr zählte auch Storch Mika dazu. Er hatte mit einer Storchendame auf einem der Loburger Horste bereits vier Eier im Nest, als er sich wohl infolge eines Unfalls das Schlüsselbein brach und einen Luftsackriss zuzog. Als Mika im Spätsommer erfolgreich ausgewildert werden konnte, zog er jedoch nicht mit den anderen Störchen Richtung Süden, sondern überwinterte trotz Schnee und Eis in Loburg. Das überraschte selbst erfahrene Wissenschaftler wie Michael Kaatz. Nun hoffen seine Pfleger vom Storchenhof, dass er wieder erfolgreich ins „Brutgeschäft“ einsteigt.