Paritätischer fordert Reform des Bildungs- und Teilhabepakets
Neudietendorf (epd).

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Thüringen hat eine grundlegende Reform des Bildungs- und Teilhabepakets angeregt. Familien, die bereits Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder andere anspruchsbegründende Sozialleistungen beziehen, sollten die Leistungen künftig automatisch erhalten und nicht erst beantragen müssen, teilte der Verband am Dienstag in Neudietendorf mit. Die Behörden wüssten bereits, wer anspruchsberechtigt sei.

Der Verband regte zugleich eine grundsätzliche Debatte über die Ausgestaltung des Teilhabepakets an. Landesgeschäftsführer Stephan Panhans erklärte, wenn ein System über Jahre nicht funktioniere, müsse es neu gedacht werden. Ziel sollte ein Verfahren sein, das sich an den Bedürfnissen der Familien orientiert und nicht an den Anforderungen der Verwaltung.

Individuelle Guthaben für Kinder angeregt

Zugleich schlug der Paritätische ein sogenanntes Bildungsbudget vor. Danach würden alle Kinder ein Guthaben erhalten, das je nach sozialem Anspruch unterschiedlich hoch mit staatlichen Leistungen aufgeladen werde. Vereinsbeiträge, Musikschulunterricht oder Klassenfahrten könnten dann über dieses Budget bezahlt werden. Nach Ansicht des Verbandes ließe sich so vermeiden, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien als Leistungsempfänger erkennbar werden.

Anlass der Vorschläge ist eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung. Danach erhielten in Thüringen im vergangenen Jahr lediglich 10,3 Prozent der anspruchsberechtigten Kinder Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Bundesweit lag die Quote bei 23,9 Prozent.