Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) hat den Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands als „Weckruf an die Politik“ bezeichnet. „Wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, ist unser ganzes Gesellschaftssystem in Gefahr“, erklärte Kiziltepe am Mittwoch in Berlin.
Laut dem am Dienstag vorgestellten Bericht lebte 2025 in der Hauptstadt fast jeder fünfte Mensch (18,7 Prozent) in Armut. Als arm gelten laut EU-Definition Menschen, die in einem Haushalt leben, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens aller Haushalte in Deutschland zur Verfügung hat. Im Jahr 2025 lag die Grenze bei 1.445 Euro im Monat für einen alleinlebenden Menschen. Die Armutsschwelle bei einem Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren betrug 3.035 Euro. Zum Einkommen gehören unter anderem Löhne, Wohngeld, Kindergeld und andere Sozialleistungen. Bundesweit lag die Armutsquote bei 16,1 Prozent (2024: 15,5 Prozent). Der Paritätische verweist dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
SPD-Politikerin für mehr Verteilungsgerechtigkeit
Sozialsenatorin Kiziltepe erklärte mit Verweis auf den Armutsbericht, „Sparpläne und der geplante Sozialabbau im Bund“ seien unverantwortlich: „Statt Sparpotentiale bei Menschen zu suchen, bei denen kaum noch gespart werden kann, muss es jetzt um konkrete Verteilungsgerechtigkeit gehen.“ Die Menschen bräuchten jetzt mehr Unterstützung, nicht weniger. Mit Blick auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte Kiziltepe, sie frage sich, „ob ein Millionär diese harte Lebensrealität überhaupt verstehen kann“.