Sorge um Sachsens Denkmalpflege und Archäologie
Dresden (epd).

Die geplante Fusion des Landesamtes für Denkmalpflege und des Landesamtes für Archäologie in Sachsen sorgt für Kritik. Fachverbände und Vereine befürchten, dass fachspezifische Kompetenzen verlorengehen. Der Vorsitzende des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Thomas Westphalen, sagte am Mittwoch in Dresden: „Fachliche Entscheidungen spielen dann keine Rolle mehr.“

Damit sei die Kulturlandschaft Sachsens „massiv bedroht“. Der Landesverein befürchte „eine Situation wie im Jahr 1968, als in Leipzig die Paulinerkirche abgerissen wurde“, sagte Westphalen. Eine Fusion der beiden Ämter unter dem Dach der Landesdirektion Sachsen könne dazu führen, dass denkmalpflegerische Argumente einfach nicht mehr gehört und in der Folge falsche Entscheidungen getroffen werden.

Das Landesamt für Denkmalpflege zähle zu den ältesten Fachämtern Sachsens. „Wird diese fachliche Unabhängigkeit aufs Spiel gesetzt oder gar aufgegeben, werden schwere, nicht wiedergutzumachende Schäden für die sächsische Denkmallandschaft und damit Kulturlandschaft die Folge sein“, hieß es. Mit mehr als 130.000 Bau-, Kunst- und archäologischen Denkmalen verfüge Sachsen über einen „einzigartigen Bestand“.

Neue Zuständigkeiten auch für Archäologiemuseum

Die Landesregierung hatte Pläne zu Strukturreformen vorgelegt, um Verwaltungen zu verschlanken. Zu den Vorschlägen gehört auch die Eingliederung des Staatlichen Museums für Archäologie (smac) in Chemnitz in die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Bisher ist das Museum Teil des Landesamtes für Archäologie.

Der Vorsitzende des Vereins Freunde des smac, Axel Weber, sagte: „Wir befürchten deutliche Abstriche bei der Sichtbarkeit des Museums“. Um den Zugriff auf Sammlungen zu erhalten, brauche es die Verzahnung des smac mit dem Landesamt für Archäologie. Eine Eingliederung in die SKD bedeute den Verlust von Selbstständigkeit und Entscheidungsbefugnis, sagte Weber. Der organisatorische Aufwand könnte Weber zufolge größer werden.

Mehrere Verbände hatten Ende April in einem „Offenen Brief“ auf die Bedeutung der Fachämter aufmerksam gemacht und sich mit Statements an die zuständigen Ministerien gewandt. Gefordert wird eine Rücknahme der Pläne. In dem Brief heißt es auch: Die anerkannte Fachlichkeit beider Ämter sei aus einer über einhundertjährigen Fachpraxis erwachsen, die sich selbst unter den restriktiven Rahmenbedingungen in der DDR „als unverzichtbares Korrektiv bewährt hat“.

„Einzigartiges Wissen“

Auch die Sächsische Akademie der Künste und der Verband der Restauratorinnen und Restauratoren in Sachen hatten den Brief unterzeichnet. Restaurator Sven Taubert sagte, es sei nicht hinnehmbar, wenn fachliche Entscheidungen wegen wirtschaftlicher Interessen vernachlässigt würden. Diese Gefahr bestehe, wenn statt Fachämtern Behörden entscheiden.

Der Präsidialsekretär der Sächsischen Akademie der Künste, Michael Grisko, sagte: „Neue Strukturen führen zu Effizienz- und Qualitätsverlust.“ Im Landesdenkmalamt gebe es Expertisen unter anderem zu Glocken und Orgeln oder zu Volksbauweisen. Dies sei ein „einzigartiges Wissen“, das mit Projekten auch nach außen getragen werde. Eine Behörde allein könne das nicht leisten.

Von Katharina Rögner (epd)