Klezmer-Projekt: Jubiläumskonzert als "Höhepunkt eines Prozesses"
Johannes Gräßer gründete 2015 ein einzigartiges Projekt in Thüringen
Erfurt (epd).

Das Klezmerorchester Erfurt ist ein 2015 gegründetes Ensemble, das traditionelle jiddische Instrumentalmusik spielt. Es bringt jährlich über 80 Laienmusiker und Laienmusikerinnen aus ganz Europa zusammen, die von professionellen Klezmermusikern angeleitet werden. Zum zehnjährigen Bestehen ist das Ensemble noch einmal gewachsen, sagt der Erfurter Geiger, Musikmanager und Orchestergründer Johannes Gräßer im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Das Klezmerorchester Erfurt feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Was macht dieses Jahr besonders? Gräßer: Auch in diesem Jahr entsteht ein vollständig neues Programm, das traditionell nur einmal aufgeführt wird. Neu ist aber erstmals die Beteiligung von Gesangssolisten. Sasha Lurje und Benjy Fox-Rosen haben fest zugesagt. Mit über 100 Mitwirkenden aus mehreren europäischen Ländern bleibt das Orchester auch im zehnten Jahr seines Bestehens das größte Klezmerorchester der Welt.

Nur ein einziges Konzert

epd: Mehr als 100 Musikerinnen und Musiker proben mehrere Monate für nur ein einziges Konzert im Mai. Warum dieser Fokus auf ein einzelnes Ereignis?

Gräßer: Das Jubiläumskonzert im Mai im Theater Erfurt ist als der künstlerische Höhepunkt eines Prozesses zu sehen. Das Klezmerorchester Erfurt versteht sich nicht als Tournee-Orchester, sondern als gemeinschaftliches Projekt, bei dem der Entstehungs- und Probenprozess im Mittelpunkt steht. Das einmalige Konzert bündelt diese intensive Arbeit.

epd: Sie laden Medien ausdrücklich dazu ein, den Probenprozess von Beginn an zu begleiten. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Gräßer: Gerade die ersten Proben bieten Einblicke, die später nicht mehr in dieser Form möglich sind. Schon am Samstag beginnt der Probenauftakt in Erfurt. In dieser Phase lassen sich die ersten musikalischen Annäherungen, das Zusammenwachsen des Orchesters sowie Diskussionen über Arrangements und künstlerische Entscheidungen unmittelbar beobachten. Auch die persönlichen Geschichten der Beteiligten werden hier sichtbar.

Besonderes Konzept

epd: Wie gelingt es, so viele Künstlerinnen und Künstler überhaupt für dieses Projekt zu gewinnen?

Gräßer: Das Klezmerorchester Erfurt verbindet Laien- und Profimusiker in einem inklusiven, generationsübergreifenden Konzept. Unterstützt wird es regelmäßig von renommierten Musikerinnen und Musikern der internationalen Klezmerszene, die aktiv in die Probenarbeit eingebunden sind. Dieses besondere Konzept und die internationale Ausrichtung machen das Projekt für viele Beteiligte attraktiv.

epd-Gespräch: Matthias Thüsing