Über die „Wiederentdeckung“ der Musik von Johann Sebastian Bachs (1685-1750) um 1800 informiert eine neue Ausstellung im Berliner Dom. Anlass ist das 125. Jubiläum der seit 1901 regelmäßig stattfindenden Bachfeste. Die am Donnerstag in Berlin eröffnete Sonderausstellung mit dem Titel „Ohne Berlin kein Bach“ zeigt Originaldokumente von Bachfesten wie Programmhefte, Bilder historischer Aufführungsorte und Porträts von Protagonisten der Bach-Bewegung. Zudem gibt es Hörbeispiele und Videos. Bezug genommen wird dabei auf die „lange Bach-Tradition in Berlin“, die Ende des 18. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.
Die Berliner Kabinettausstellung des Bachhauses Eisenach gilt als „Vorschau“ auf eine Sonderausstellung „125 Jahre Bachfeste - 100 Bachfeste“ in Eisenach, die ab 4. Juni zu sehen sein wird. Die 1900 in Leipzig gegründete Neue Bachgesellschaft feiert vom 11. bis zum 26. Juni 2026 das 100. Bachfest ihrer Geschichte.
„Ohne Berlin hätten wir heute keinen Bach mehr“
Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf ein Zitat des ersten Vorsitzenden der Neuen Bachgesellschaft, Hermann Kretzschmar, zur Eröffnung des ersten Bachfestes am 21. März 1901 in Berlin: „Ohne Berlin hätten wir heute keinen Bach mehr.“
Zu Lebzeiten war Bach vor allem als hervorragender Organist und Cembalist bekannt. Nach seinem Tod 1750 wurden viele seiner zahlreichen Werke nur noch selten aufgeführt. Erst Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) habe der „erstaunten Welt“ gezeigt, „dass der als Fugenschmied und Rechenmeister gefürchtete Bach ein Tondichter vom größten Maßstab war“, wird Kretzschmar weiter zitiert.
Bach-begeisterte Preußen-Prinzessin
Die Berliner Bach-Tradition hatte den Angaben zufolge mit der Bach-begeisterten Prinzessin Anna Amalie von Preußen (1723-1787) und deren Sammlung von Bach-Autographen begonnen. Zudem sei Bachs Klaviermusik schon zum Ausgang des 18. Jahrhunderts in den Berliner Salons gepflegt worden. In der Berliner Singakademie gab es seit 1791 regelmäßig Bach-Aufführungen. Am 11. März 1829 kam es dort auch zur ersten Aufführung von Bachs Matthäus-Passion nach 100 Jahren durch den 20-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847).
Die Neue Bachgesellschaft wagte dann Anfang des 20. Jahrhunderts den Ausstellungsmachern zufolge „etwas völlig Neues“. An unterschiedlichen Orten in Deutschland sollten regelmäßige Bachfeste stattfinden. Ziel der Bachgesellschaft sei es gewesen, kontinuierlich „Propaganda für Bach“ zu machen. Musiker, Wissenschaftler und Publikum sollten sich über Bachs Musik austauschen können.
Größtes Bachfest in Malaysia
Die Gründung der Neuen Bachgesellschaft habe auch eine weltweite Bach-Bewegung ausgelöst. Mittlerweile gebe es 66 regelmäßig stattfindende Bachfeste. Das größte finde seit 2015 in Malaysia statt. Die bis 3. Mai im Berliner Dom zu sehende Ausstellung beleuchtet auch die Hintergründe der Bachfest-Idee und deren Einfluss auf die Aufführungspraxis.