Die Zahl rechts motivierter und rassistischer Angriffe in Sachsen ist im vergangenen Jahr zwar leicht zurückgegangen. Entwarnung gibt es aber laut der Opferberatungsstellen der RAA Sachsen nicht. RAA-Geschäftsführerin Andrea Hübler sagte am Dienstag in Dresden, vielmehr gebe es „Orte rechter Dominanz“. Dort sei eine regelmäßige starke Präsenz Rechtsextremer im öffentlichen Raum erkennbar, etwa montags auf dem Kornmarkt in Bautzen oder um den Bahnhof in Bautzen, in Tauche oder in Dresden.
Die sächsischen Opferberatungsstellen erfassten 2025 nach eigenen Angaben 292 Gewalttaten. 2024 waren es 328. Laut RAA-Referentin Magdalene Schlenker gab es zwar etwas weniger Taten, dafür aber mehr direkt Betroffene.
Gewaltbreite Gruppen im Stadtbild präsent
Registriert wurden demnach 456 Opfer und damit zehn betroffene Menschen mehr als 2024. Im Langzeitvergleich blieben die Gewalttaten der vergangenen 15 Jahre in Sachsen auf hohem Niveau. Grund dafür seien gewaltbereite neonazistische Gruppierungen, die vielerorts im Stadtbild präsent seien und auch sehr junge Personen an sich binden würden.
Das häufigste Tatmotiv ist demnach Rassismus (143 Fälle), gefolgt von Angriffen auf politische Gegner (53 Fälle). Registriert wurden vor allem Körperverletzungsdelikte (155 Fälle) sowie Nötigungen und Bedrohungen (119 Fälle).
Polizei verzeichnet weniger Fälle
In der offiziellen polizeilichen Kriminalstatistik waren für das vergangene Jahr 84 Fälle rechts motivierter Gewalt verzeichnet worden. Die Differenz zu den eigenen Zahlen ergibt sich laut RAA-Geschäftsführerin Hübler aus einem weiter gefassten Gewaltbegriff der Opferberatungsstellen. So würden etwa anders als bei der Polizei Bedrohungen als Gewalttaten eingestuft.
Schwerpunktregionen rechts motivierter Gewalt waren 2025 die Großstädte Chemnitz, Dresden und Leipzig sowie die Landkreise Bautzen, Meißen und Görlitz. Deutliche Anstiege habe es im vergangenen Jahr in Chemnitz und im Landkreis Bautzen gegeben. Während in Chemnitz Behörden und Stadtverwaltung mit Gegenmaßnahmen wie Gefährderansprachen und weiteren Gesprächen reagiert hätten, finde dies im Landkreis Bautzen zu wenig statt, sagte Hübler.
Gewalt wird zum Teil verharmlost
Dort werde rechte Gewalt mitunter verharmlost, kritisierte sie. Allerdings gebe es in Bautzen eine „sehr aktive Zivilgesellschaft“, die zum Beispiel mit dem „Happy Monday“ der rechten Raumnahme etwas Wirksames entgegensetze. „Mit diesen Kulturveranstaltungen wollen wir eine Gegenatmosphäre schaffen“, sagte Stefanie Schwerk vom Bautzener Verein „Pro Colore“. „Happy Monday“ sei kein klassischer Gegenprotest, sondern ein „Gegenentwurf zum braunen Kornmarkt“.
Hübler betonte, es gebe in Sachsen „weitverbreitete, verfestigte rassistische Einstellungen und Haltungen“, was Einfluss auf das Gewaltverhalten habe. Aufgrund neonazistischer Strukturen komme es zu einer „Normalisierung von antidemokratischen und rassistischen Haltungen“.
Hohe Dunkelziffern vermutet RAA Sachsen bei Fällen gegen queere Menschen, gegen Jüdinnen und Juden sowie gegen wohnungslose und behinderte Menschen. In diesen Bereichen wurden vergleichsweise wenige Taten registriert, oft werde jedoch die Gewalt als solche nicht erkannt oder nicht angezeigt.