„Toll wäre es, Sisi mit dem Telefon anzurufen, und sie erzählt aus ihrem Leben“, sagt der achtjährige Erik aus Speyer. Und die 13-Jährigen Jarla, Florentine und Nisa sprudeln nur so vor Ideen, was sie gerne über die von Mythen umrankte österreichische Kaiserin wissen wollen: Wie hat sie sich geschminkt, wie sah sie aus, als sie älter war - und warum wurde sie ermordet? Rund 20 Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren beratschlagen im neuen Kinderbeirat des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, wie sie die Sonderausstellung über Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898) mitgestalten können. Ab 20. Dezember wird sie zu sehen sein.
„Das sind gute Ideen“, sagt Kuratorin Cathérine Biasini und macht sich Notizen. Der Kinderbeirat wurde im vergangenen Sommer gegründet. Mit ihm will das Speyerer Museum Jungen und Mädchen an der Planung seiner Schauen beteiligen. Das Haus in der Nähe des Kaiserdoms richtete im Jahr 1999 mit dem Jungen Museum (JUMUS) das erste Kindermuseum in Rheinland-Pfalz ein. „Die Kinder werden ernst genommen, ihre Ideen fließen in die kommenden Ausstellungen ein“, versichert Biasini.
Auch andere Museen hören auf Stimmen von Kindern
„Museumsentdecker“ nennen sich die Mitglieder des Kinderbeirats, der mindestens viermal im Jahr zusammenkommt. Gemeinsam mit Museumspädagoginnen denken sie darüber nach, wie kulturhistorische Ausstellungen so gestaltet werden können, dass sie für Kinder und Jugendliche interessanter werden.
Auch andere Museen in Deutschland wie das „Junge Schloss“ in Stuttgart, das „Museum für Natur und Umwelt“ in Lübeck oder das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main setzen auf die Unterstützung von Kinder- oder Jugendbeiräten. Auf alle rund 7.000 Museen in Deutschland gerechnet, sei die Zahl solcher Beiräte jedoch „verschwindend wenig“, erklärt eine Sprecherin des Arbeitskreises Bildung und Vermittlung im Deutschen Museumsbund (Berlin). Sie seien „vielfach nur an größeren Häusern möglich“.
Fußballtor, Verkleiden und Fotos machen in der Sisi-Schau
Im Historischen Museum der Pfalz haben die Mitglieder des Speyerer Kinderbeirats für die Spielstationen der laufenden Schau „Superheroes“ beispielsweise digitale Spielfiguren, sogenannte Comic-Avatare, mitentwickelt. „Es ist spannend, dass man mitbestimmen kann“, findet die achtjährige Amalia. Die geplante Sisi-Schau soll eine eigene „Kinderspur“ enthalten, die sich etwa mit Medienstationen und kindgerechten Informationen an das jüngere Publikum richtet. „Die Texte sollen gut verständlich sein und nicht so schwierige Wörter haben“, wünscht sich Amalia.
Museumsmitarbeiterin Lea Macheleidt stellt das Konzept der Sisi-Schau den Kindern vor: Die junge Kaiserin habe mutig herkömmliche Rollenbilder des 19. Jahrhunderts infrage gestellt und sich als Frau emanzipiert. Sisi reiste demnach lieber, als am Hof in Wien zu sein, machte viel Sport und achtete sehr auf ihr Äußeres - was vielen Untertanen missfiel. Die spannende Lebensgeschichte der Herrscherin mit bayerischen Wurzeln regt die Fantasie der Kinder an - an Ideen mangelt es ihnen nicht.
„Man könnte ein Fußballtor zum Kicken in der Ausstellung aufstellen“, schlägt der 13-jährige Otto vor. Der Junge mit der Baseballkappe geht gerne mit seinen Eltern ins Museum. „Man lernt ziemlich viel“, sagt er. Auch ein Gerät zum Ringturnen wäre prima, ergänzt sein 12-jähriger Kumpel Jan. Die gleichaltrige Nele hätte gerne, dass man sich im Stil der damaligen Zeit verkleiden und mit einem alten Fotoapparat Bilder machen kann. Auch sollte es im Museumsshop ein Quiz, einen Legobausatz für eine Krone und ein Sisi-Hütchen zu kaufen geben, schlagen die Kinder vor. Welche Ideen umgesetzt würden, sei letztlich auch eine Kostenfrage, gibt Museumsmitarbeiterin Macheleit zu bedenken.
Logo für die „Museumsentdecker“ malen
Noch fehlt dem Speyerer Kinderbeirat ein eigenes Logo, etwa für ein T-Shirt und einen Pass, der die Mitglieder zum kostenlosen Eintritt ins Museum berechtigt. Auf große Papierbögen zeichnen die Kinder nun Kreise und machen sich dann mit Filzstiften ans Werk. „ME“ für „Museumsentdecker“ stellt die 11-jährige Clara ihren Vorschlag vor. Otto, Jan und der 12-jährige Jakob haben sich für eine Lupe als Motiv für ihren Kinderbeirat entschieden.
Beim nächsten Treffen im Mai wolle man sich gemeinsam auf das Logo einigen, kündigt Kuratorin Cathérine Biasini zum Schluss des zweistündigen Treffens an. „Dann werden wir auch erzählen, was aus eueren Sisi-Ideen geworden ist.“