Zeitumstellung: Wie sich Haustiere an die neue Uhrzeit gewöhnen
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Zeitumstellung: Wie sich Haustiere an die neue Uhrzeit gewöhnen
Bonn, Hamburg (epd).

Auf Matschis innere Uhr ist Verlass: Kurz bevor um 6 Uhr der Wecker klingelt, sitzt die Katze bereits neben dem Bett ihrer Menschen und miaut. Mit der Zeitumstellung in der Nacht zum Sonntag wird das zum Problem: Matschi miaut dann unwissend bereits um kurz vor 5 Uhr. Ihre Menschen ziehen sich genervt die Decke über den Kopf, und das Haustier wundert sich, dass es noch nichts zum Fressen kriegt.

„Hunde und Katzen gewöhnen sich an feste Fütterungszeiten“, sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbunds in Bonn. Die Zeit auf der Uhr sei nach der Zeitumstellung irrelevant.

Innere Uhr steuert zahlreiche Prozesse

Bei der inneren Uhr handelt es sich laut Verhaltensbiologin Sabrina Karl von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ um ein sogenanntes zirkadianes System. Dieses steuere zahlreiche Prozesse, darunter den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Aktivität und Hormonproduktion sowie das Fressverhalten. „Licht ist dabei der wichtigste Zeitgeber“, sagt Karl und ergänzt: „Außerdem orientieren sich Haustiere an vielen weiteren Signalen.“ Dazu zählten die Aufsteh- und Schlafenszeiten der Menschen, regelmäßige Fütterungszeiten und bekannte Alltagsgeräusche im Haushalt. „Diese Signale bilden zusammen einen stabilen Tagesrhythmus.“

Verstellen Menschen die Uhr um eine Stunde, veränderten sich Fütterung und Spaziergänge relativ zur biologischen Uhr des Tieres. Früheres Betteln nach Futter, Unruhe vor dem Spaziergang und weitere veränderte Aktivitätsmuster könnten die Folge sein, erläutert Karl.

Schrittweise Anpassung bei sensiblen Tieren

Für gesunde anpassungsfähige Hunde und Katzen stellt die Verschiebung um eine Stunde laut der Biologin kein ernsthaftes Problem dar. „Für die meisten Haustiere kann man die Fütterung und Spaziergänge einfach auf die neue Uhrzeit umstellen“, sagt Karl. Hier und da könne eine schrittweise Anpassung aber sinnvoll sein. Etwa bei sehr routineliebenden oder sensiblen Hunden, empfindlichen Katzen, älteren Haustieren, Tieren mit Angststörungen, Diabetespatienten und Haustieren mit zeitabhängiger Gabe von Medikamenten.

„Viele Tierärzte empfehlen in solchen Fällen, die Zeiten bereits einige Tage vorher um etwa 10 bis 15 Minuten pro Tag zu verschieben“, sagt Sabrina Karl. „Bei deutlich ritualisierten oder sensiblen Tieren empfiehlt sich eine schrittweise Anpassung an die neuen Abläufe über drei bis sieben Tage.“

Goldhamster sollten nicht gestört werden

Laut Lea Schmitz vom Tierschutzbund kann sich die Zeitumstellung auch bei Kleintieren bemerkbar machen. „Goldhamster beispielsweise sind vor allem in der Dämmerung aktiv“, sagt sie. Solange ihre Ruhezeiten respektiert und sie nicht wegen der Zeitumstellung geweckt würden, sei die Zeitverschiebung um eine Stunde aber auch für sie in der Regel unproblematisch.

Was zu Hause gilt, macht sich auch im Hamburger Tierheim Süderstraße bemerkbar, wo die Beschäftigten den Arbeitsrhythmus nicht ändern. „Es mag sein, dass eine gewisse Aufregung und Ungeduld morgens beim Warten auf die Fütterung vorherrscht“, sagt Sven Fraaß, Sprecher des Hamburger Tierschutzvereins von 1841, im Hinblick auf das Ende der Sommerzeit. „Aber letztendlich adaptieren die Tiere hier den Rhythmus der Tierpflege und reagieren auf das künstliche Licht stärker als auf den Sonnenstand.“

Welche Zeitumstellung ist unkomplizierter?

Bleibt die Frage, was für Haustiere unkomplizierter ist: die Umstellung von Winter- auf Sommer- oder von Sommer- auf Winterzeit? Hier sind sich Sabrina Karl und Lea Schmitz uneinig.

Karl sagt, es spreche aus chronobiologischer Sicht einiges dafür, dass der Herbst leichter sein dürfte als das Frühjahr: „Im Frühjahr müssen Aktivitäten, Fütterung und Aufstehen relativ zur biologischen Uhr plötzlich früher stattfinden. Das kann eventuell für einige Tiere überraschender und ungewohnter umzustellen sein.“ Im Herbst dagegen werde die biologische Uhr um eine Stunde nach hinten versetzt, und diese Anpassung gelte generell als leichter bewältigbar."

Schmitz meint dagegen, dass die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit für Haustiere tendenziell unkomplizierter sein dürfte, wenn man die gewohnten Fütterungs- und Gassizeiten betrachtet. „Da die Uhr im Frühjahr eine Stunde vorgestellt wird, finden diese Aktivitäten für das Tier eine Stunde früher als zuvor statt, sofern man die Uhrzeit dafür beibehält. Ein Tier, das sich an seiner bisherigen Fütterungszeit orientiert, muss dann also nicht länger auf sein Futter warten.“ Im Herbst dagegen könne es vorkommen, dass Tiere ihre gewohnten Aktivitäten bereits eine Stunde früher nach der Uhr einfordern und sich gegebenenfalls gedulden müssen, bis es so weit ist.

Von Marcel Maack (epd)