Zeit, das Richtige zu tun - 15 Jahre Bundesfreiwilligendienst
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Zwei Bufdies vom Fahrdienst der Johanniter-Unfallhilfe in Wiehl bringen eine Seniorin zur Tagespflege (Archivbild)
Berlin, Köln (epd).

Vor 15 Jahren endete eine Ära: 2011 wurde der Zivildienst abgeschafft - direkte Folge der im „Wehrrechtsänderungsgesetz“ ausgesetzten Wehrpflicht. Insgesamt hatten bis dahin 2,7 Millionen „Zivis“ in rund 37.000 Einrichtungen gearbeitet, etwa im Rettungsdienst, in Kliniken, Senioren- oder Behindertenheimen. Die jungen Männer wurden überaus geschätzt als vielseitig einsetzbare Hilfskräfte. Und so hatten sich die sozialen Träger daran gewöhnt, auf dieses zusätzliche Personal verlässlich zurückgreifen zu können. Doch damit war nun Schluss - ab Dezember 2011 fehlten vor Ort Tausende Zivis.

Die Lösung der von vielen sozialen Trägern befürchteten Personalprobleme hieß „Bundesfreiwilligendienst“ (BFD). Mit dem am 24. März 2011 verabschiedeten Bundesfreiwilligendienstgesetz sollte die entstehende personelle Lücke geschlossen - oder zumindest verringert werden. Ab dem 1. Juli 2011 ergänzte der BFD bereits bestehende Dienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Um eine Konkurrenz zu ihnen zu vermeiden, verbesserte der Bund auch deren Förderung. Schon nach einem Jahr waren 50.000 „Bufdis“ tätig - bis heute sind es über 400.000. Pro Jahr melden sich im Durchschnitt rund 34.000 bis 36.000 Freiwillige.

Lohnender Einsatz sichert Erfahrungen

Annika (20) war als Bufdi elf Monate in Brandenburg/Havel tätig. Nach dem Abi habe sie sich mit Blick auf ein mögliches Studium orientieren wollen. „Um herauszufinden, ob mir die Arbeit im sozialen Bereich liegt, entschied ich mich, einen BFD in einem Seniorenheim zu beginnen“, berichtet sie auf der Homepage des katholischen Vereins IN VIA. „Ich konnte viele Erfahrungen sammeln und vieles lernen. Ich bin selbstsicherer und selbstständiger geworden und habe gelernt, meine Arbeit alleine zu organisieren“, so die junge Frau im Rückblick: „Ich würde jedem, der darüber nachdenkt, seine Zeit sinnvoll zu nutzen und einen Freiwilligendienst zu absolvieren, dazu raten.“

Das zuständige Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) mit Sitz in Köln betont, das Ziel, mit dem BFD Einrichtungen mit Freiwilligen zu unterstützen, sei erreicht worden: „Der Bundesfreiwilligendienst ist zu einem unverzichtbaren Teil der Engagementkultur in Deutschland geworden“, hieß es zum zehnjährigen Bestehen 2021. Doch es gab auch weiterhin Kritik aus den Reihen der Verbände. Der BFD „folgt nach wie vor der verstaubten Verwaltungslogik des ehemaligen Zivildienstes. Das macht es deutlich schwerer, kurzfristig und flexibel Freiwillige an Einsatzstellen zu vermitteln“, rügte Maria Loheide, damals Vorständin der Bundesdiakonie.

Stiftung bescheinigt positive Entwicklung

Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt mit Sitz in Neustrelitz, spricht dagegen von einer positiven Entwicklung des BFD. Er biete neue Zugänge zum Engagement und habe freiwilliges Engagement sichtbarer gemacht: „Gerade die Öffnung für Menschen jenseits der klassischen Jugendfreiwilligendienste war ein wichtiger Schritt. Dass hier noch Potenzial besteht, insbesondere bei älteren Freiwilligen, sehen wir ebenfalls“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gleichzeitig zeige sich, dass immer mehr Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen Interesse daran hätten, sich zeitlich befristet einzubringen.

Holze sieht noch Möglichkeiten, mehr Menschen für den Dienst zu gewinnen. „Wir sehen vor allem Potenzial in einer stärkeren Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen. Dazu gehört beispielsweise, den Dienst für Menschen in verschiedenen Lebensphasen noch sichtbarer zu machen.“ Zum Beispiel für Menschen nach dem Berufsleben, für Personen in beruflichen Orientierungsphasen oder für Menschen, die sich neu gesellschaftlich einbringen möchten.

„Der Bundesfreiwilligendienst stärkt die Einsatzbereitschaft und das bürgerschaftliche Miteinander. Diese Dienste machen an vielen Stellen einen Unterschied, ob in der Kita, der Pflegeeinrichtung, beim Sport oder im Bereich des Naturschutzes“, sagte Hermann Gröhe, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), dem epd. Es gebe jedoch noch Luft nach oben: „Die Dienste könnten viel mehr zum gesellschaftlichen Miteinander beitragen.“ Vor allem im Bevölkerungsschutz.

Gröhe warb dafür, den BFD durch eine bessere Anerkennung bei der Ausbildungs- und Studienplatzsuche und durch ein höheres Taschengeld aufzuwerten: „Dann würde der Dienst auch mehr Menschen mit wenig Geld offenstehen“, sagte der aus Neuss stammende CDU-Politiker.

Von Dirk Baas (epd)