Weniger unnötige Aufgaben im Joballtag können einer Studie zufolge die psychische Gesundheit von Beschäftigten ähnlich stark beeinträchtigen wie eine hohe Arbeitsbelastung. Zentrale Rolle spiele dabei die Unsicherheit, die durch so eine Veränderung entstehe, teilte die Universität Bielefeld zu den Ergebnissen der Untersuchung zum „Welttag für psychische Gesundheit“ (10. Oktober) mit. Bei neuen Aufgaben und Zuständigkeiten wüssten Beschäftigte zum Teil nicht genau, was künftig von ihnen erwartet werde. Was eigentlich eine Entlastung darstellen sollte, könnte so stattdessen Stress und emotionale Erschöpfung auslösen.
In der Studie der Universität Bielefeld ging es um sogenannte illegitime Aufgaben, also Tätigkeiten, die von Angestellten als unnötig oder unpassend für die eigene Rolle empfunden werden. Dafür befragten die Forscherinnen und Forscher über mehrere Wochen insgesamt 640 Beschäftigte aus verschiedenen Unternehmen in zwei getrennten Studien: Je 250 führten einmal täglich Tagebuch über den Joballtag, weitere 390 einmal wöchentlich.
Führungskräfte sollten Raum für Fragen geben
Die Studie offenbare einen Aspekt von Stress, der im Arbeitsalltag oft unsichtbar bleibe, hieß es. Nicht allein die Menge oder Schwierigkeit einer Aufgabe könne belasten, sondern auch neue Vorgaben zur Entlastung im Betrieb. Entscheidend sei dabei, wie vorhersehbar die neue Arbeitssituation wahrgenommen werde, erklärte der Co-Autor der Studie Kai C. Bormann vom Institut für Familienunternehmen Ostwestfalen-Lippe an der Universität Bielefeld. Führungskräften empfahl er deshalb, Änderungen von Aufgaben nicht einfach nur vorzunehmen, sondern auch nachvollziehbar zu erklären - „und Raum für Rückfragen zu geben“.
Besonders in Familienunternehmen sei dies wichtig, da Zuständigkeiten dort häufig über lange Zeit informell gewachsen seien, erläuterte der Wirtschaftswissenschaftler. „Weniger belastende Aufgaben sind grundsätzlich positiv, aber eine gute Kommunikation kann verhindern, dass Veränderungen selbst zur psychischen Belastung werden.“