Freie Kita-Träger in NRW sehen die geplanten ABC-Klassen kritisch. „Wirksame Sprachbildung wird nicht gelingen, wenn man Kita-Kinder zwei Mal pro Woche für zwei Stunden zum Lernen in die Schule bringt“, erklärte Marek Körner, Sprecher des Kita-Bündnisses NRW und Bereichsleiter West der Fröbel-Gruppe, in Düsseldorf. „Stattdessen muss Sprachbildung in der Kita datenbasiert weiterentwickelt und pädagogische Fachkräfte müssen intensiv geschult werden.“
Mit den ABC-Klassen würden neue, kostenintensive Strukturen geschaffen, kritisierte auch Stephan Osterhage-Klingler, stellvertretender Vorsitzender der GEW NRW bei einem fachpolitischen Dialog mit Vertretern der NRW-Landtagsfraktionen. „So werden wir den Anforderungen an ein zukunftsfähiges System frühkindlicher Bildung nicht gerecht.“
Kita-Leiter: Kinder können in der Kita Kompetenzen entwickeln
Die geplanten ABC-Klassen setzten auf eine defizitorientierte Auswahl und wirkten stigmatisierend, erklärte Dominik Matzantke, Leiter des Fröbel-Kindergartens Köln-Kalk, den Angaben zufolge. „Sie sind fachlich nicht überzeugend, ineffizient und werden der pädagogischen Arbeit in den Kitas nicht gerecht.“ Er verwies auf die Vorschul-Offensive „Ich kann das!“ seiner Einrichtung, die zeige, wie Kinder in der Kita Kompetenzen, Mut und Selbstvertrauen für den Schulstart entwickeln könnten.
Die ABC-Klassen sollen im Schuljahr 2028/29 starten. Geplant ist eine Sprachstandsfeststellung bei der Schulanmeldung. Kinder, die danach nicht über die notwendigen deutschen Sprachkenntnisse verfügen, um aktiv am Unterricht teilzunehmen, sollen im Schuljahr vor der Einschulung zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden verpflichtend eine ABC-Klasse besuchen.
Im Kita-Bündnis NRW haben sich nach eigenen Angaben freie Kita-Träger mit der GEW NRW zusammengeschlossen, darunter etwa die Fröbel-Gruppe, edducare und der VKJ. Sie betreiben rund 220 der insgesamt knapp 11.000 Kindertageseinrichtungen in NRW.